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Aachen: Kriminalitäts-Lawine überrollt Gerichte

Aachen : Kriminalitäts-Lawine überrollt Gerichte

Das Wirtschaftswachstum in Deutschland stagniert, dafür machen die Kriminalitätsstatistiken heftige Sprünge in die falsche Richtung. Am Freitag schlug das Aachener Landgericht Alarm.

Die Zahlen der Klageeingänge und damit der anhängigen Verfahren sind in allen Bereichen dramatisch gestiegen, so die böse Botschaft von Landgerichtssprecher Holger Brantin. Bei der schweren Kriminalität, die vor den Großen Strafkammern landet, gab es 2003 etwa 180 Eingänge. Im noch laufenden Jahr 2005 sind bereits 300 Verfahren anhängig - annähernd 60 Prozent mehr.

Die Anklagen bei den Kapitalverbrechen, „klassischer” Mord und Totschlag also, verdoppelten sich, zwölf bis 15 Fälle waren es 2003, im Jahr darauf kamen 30 Anklagen von den Staatsanwälten zur Schwurgerichtskammer, die ameisenhafte Arbeit ohne jede Pause leisten musste. Und fatal: „Das haben wir im Jahr 2005 wieder”, bedauerte Brantin die Lage. In solcher Bedrängnis hat das Aachener Landgericht eine neue Große Strafkammer eingerichtet, die achte insgesamt. Das soll verhindern, dass Täter laufen gelassen werden müssen, weil die Warteschleife zu Ende geht. Denn wer zu lange (ab sechs Monaten beginnt die Zitterpartie) ohne Aussicht auf ein Verfahren die gesiebte Luft in der U-Haft einatmet, muss wieder raus - egal, ob blutrünstiger Kettensägenmörder oder feinfingriger Trickbetrüger.