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Düsseldorf: Kriegsgemetzel in Museumsvitrinen

Düsseldorf : Kriegsgemetzel in Museumsvitrinen

Freitag Abend wird im Museum Kunst Palast in Düsseldorf die erste große Einzelausstellung der Brüder Jake (37) und Dinos (41) Chapman in Deutschland eröffnet. Sie gehören zur ersten Garde der „Young British Artists”.

Die Schau, die von den Künstlern mitgestaltet wurde, zeigt neben den grotesk verfremdeten Fiberglasfiguren, die sie bekannt gemacht haben, das Kriegsszenario „Hell” und die neuesten Werke: afrikanisch inspirierte Skulpturen, die bei genauem Hinsehen mit einer Überraschung aufwarten.

Die bislang mit ihren bitterbösen, provozierenden Werken aufgefallen Briten Jake und Dinos Chapman überraschen in Düsseldorf mit feiner Ironie. In der feierlich abgedunkelten Atmosphäre eines Völkerkundemuseums stehen in einem großen Raum afrikanisch anmutende Objekte - grobe Holzschnitzereien, Fetische, Masken.

Erst wer genau hinsieht, bemerkt die ironische Kippung durch eingearbeitete Ikonen der Industriegesellschaft: Das Götzenbildnis hält eine McDonalds-Frittentüte in der rechten und einen Milchshake in der linken Hand, das Gesicht eines Totems entpuppt sich als Hamburger, ein Kämpfer hat den Kopf von Ronald McDonald; eine drastische Stellungnahme zur „Kultivierung” der vermeintlich primitiven Völker durch unsere Esskultur.

Der Raum zeigt mit „Works From The Chapman Familiy Collection” die jüngsten Werke der Brüder von 2002. Sie sind inhaltlich weit entfernt von den bisher meist aggressiven Arbeiten, von denen die Düsseldorfer Ausstellung die wichtigsten Stationen steigt.

Etwa mit ihrem Werk „Hell”, das in einer scheinbar spielerischen Modellbaulandschaft - ausgebreitet über 20 Quadratmeter - ein grässliches Schreckensszenario zeigt: Erhängte, Geköpfte, Gekreuzigte, Durchbohrte, Massengräber übersäen die Landschaft.

Ein bluttriefendes Gemetzel in neun Vitrinen, die in Form eines Hakenkreuzes angeordnet sind und Assoziationen zum Holocaust wach rufen. „Dieses Kunstwerk bringt nicht anderes zur Anschauung als Unmenschlichkeit”, sagt Dinos Chapman schlicht. Die Nähe zu den Höllenbildern von Hieronymus Bosch ist unübersehbar.

Den Bezug zu den Kriegsbildern Francesco de Goyas („Schrecken des Krieges”) suchen sie mit dem Titel ihres 83-teiligen Radierungszyklus „Disasters of War” (2001) ganz direkt. Bekannt wurden Jake und Dinos Chapman Anfang der 90er Jahre mit ihren grotesk verfremdeten und verschmolzenen nackten Kinderkörpern aus Fiberglas, den „Zygots”.

Die Schaufensterpuppen ähnelnden lebensgroßen Figuren zeigen den menschlichen Körper als transformierbares Versuchsfeld, bei denen die Genitalien ins Gesicht gewandert sind. Die Chapmans zeigen wenig Schönes, sie reflektieren die aktuellen Ängste und Befürchtungen der Menschen: Angst vor Krieg und Furcht vor den Manipulationsmöglichkeiten des Körpers durch Klonen.

Aber wie gehen die Brüder bei ihrer gemeinsamen Arbeit vor? Bei der Pressekonferenz enttäuschte Jake die unzähligen Journalisten: „Sorry, es gibt keine Methode. Es passiert einfach.”