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Grevenbroich: Kraftwerks-Unglück in Neurath: Konstruktionsfehler?

Grevenbroich : Kraftwerks-Unglück in Neurath: Konstruktionsfehler?

Es war ein Bild des Schreckens, das sich vor einem Jahr nach dem schweren Unfall auf der Baustelle des RWE-Kraftwerks in Grevenbroich-Neurath bot.

Die blutüberströmte Leiche eines Arbeiters hing in 140 Meter Höhe an einem Sicherheitsseil. Ein weiteres Todesopfer lag auf 70 Meter Höhe auf einer Plattform. Der dritte Tote war unter abgestürzten Stahlteilen verschüttet.

Am Nachmittag des 25. Oktober 2007 hatte sich auf der Großbaustelle in Nordrhein-Westfalen eine sogenannte Seitenwandbandage, ein Teilstück des Großkessels des Kraftwerks, aus ungeklärten Gründen gelöst und war zu Boden gestürzt. Das Konstrukt aus mehreren Stahlträgern hat ein Gewicht von mehr als 100 Tonnen. Mehrere Arbeiter wurden unter den Trümmern verschüttet.

1000 Arbeiter auf der Baustelle

Der zuständigen Staatsanwaltschaft Mönchengladbach liegen inzwischen Gutachten von Sachverständigen zur Unfallursache vor. Nach deren Auswertung werde entschieden, ob und gegen wen Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben werde, sagte Sprecher Lothar Schroeter.

Zum Inhalt der Gutachten wollte er sich nicht äußern. Aus Ermittlerkreisen hieß es, ein Konstruktionsfehler an einem Montagegerüst sei für den Absturz von drei Arbeitern aus etwa 160 Meter Höhe verantwortlich gewesen.

Die Kraftwerksbaustelle in Grevenbroich-Neurath gilt als eine der größten in Europa. Auf dem etwa 50 Fußballfelder großen Gelände arbeiten täglich rund 1000 Menschen. Als Konsequenz aus dem Unfall hat die RWE die Sicherheits-Standards weiter verschärft. „Von 1000 RWE-Mitarbeitern verunglücken in unseren Kraftwerken oder an anderer Stelle pro Jahr statistisch gesehen 4,1”, sagt RWE-Sicherheitsexperte Harald Gröner. Bei Fremdfirmen sähen die Zahlen leider „ganz anders aus”. 70 von 1000 Mitarbeitern würden laut Statistik verunglücken, die Zahl sei fast zwanzigmal so hoch. Auch die drei tödlichen verunglückten Männer kamen von Fremdfirmen.

Laut Auskunft eines Sprechers sind in Neurath in den vergangenen Monaten mehr als 100 Arbeiter von der Baustelle verwiesen worden, weil sie Sicherheitsvorschriften nicht beachtet hätten. Weitere schwere Unfälle hat dies aber nicht verhindern können. Keine drei Monate nach dem verhängnisvollen Unglück beim Kesselbau starb ein 25-jähriger Mann, der auf einer Hubbühne von einem Stahlträger eingequetscht wurde.