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Eupen: Kraftklub-Konzert begeistert die Fans in Eupen

Eupen : Kraftklub-Konzert begeistert die Fans in Eupen

Wenn Fans halbnackt vor der Bühne mit ihren T-Shirts wedeln, vom Sänger mit Wasser bespuckt werden, und wenn ein Fan im Fellkostüm auf den Händen der Menge getragen wird, dann ist Randale in der Stadt und Kraftklub auf der Bühne.

Im ausverkauften Alten Schlachthof in Eupen gaben die fünf Jungs aus Chemnitz ihr Debütkonzert in Belgien. Dass die Eupener mit der eingefleischten deutschen Fangemeinde der Senkrechtstarter mithalten können, beweisen sie schon vor dem Konzert — als sie die Hymnen anstimmen, die Kraftklub später singen werden.

Kraftklub — das steht für irgendwas zwischen Teenieidolen, Rockabilly, den netten Jungs von nebenan und jede Menge tanzbarem Krach, der gute Laune macht. Spätestens seit ihren ersten Auftritten mit dem Debütalbum „Mit K“ haben Frontmann Felix Brummer, sein Bruder Till, Karl Schumann, Steffen Israel und Max Marschk nicht nur die Hosenträger wieder salonfähig gemacht.

Kraftklub auf der Bühne ist Zeitgeist. Die Band trifft den Nerv einer Generation, die nur zu gern als Mainstream beschimpft wird. Letzteres auch von der Band selbst, die bei dem nach nur fünf Stunden ausverkauften Konzert in Eupen mitten in ihrer „Randale“-Europatour stecken.

Show voller Energie

„Unsere Fans haben sich verändert, unsere Fans haben sich verkauft — unsere Fans sind jetzt Mainstream“, singt Felix Brummer kraftvoll in sein Mikrofon, dass er bei dem Konzert auch gerne mal als Taktstock benutzt. Aber wie soll man auch einem Sänger böse sein, der sich zu Beginn auf der Bühne stehend höflich mit Vor- und Nachnamen vorstellt und am Ende des Konzerts noch nach Feedback fragt (das natürlich positiv ausfällt).

Neben der höflichen Schwiegersohn-Nummer haben Brummer und Co. aber auch heftigen Rock und Rap drauf, sind Kraftpakete auf der Bühne und liefern, nachdem sie sich ein paar Songs lang Aufwärmzeit geben, eine energetische Show ab, die den Schlachthof zum Hüpfen bringt — und zwar ausnahmslos. Kraftklub liebt man, weil sie sich selber nicht allzu ernst nehmen — weder in ihren Texten, noch beim „Song-Glücksrad“-Spielen mit den Fans.

Und wenn dann noch kostümierte Karnevalisten aus dem Publikum dem Duo Brummer/Brummer beim Rap zu „500K“ die Pink-Panther-Mütze und die fette Goldkette überlassen, ist die Persiflage auf harte Hip-Hopper perfekt: „Die Fans von früher fragen, wieso rappen die in diesem komischen Flow? / Keine Ahnung, wir dachten bei einem Track über Money macht man das so.“

Dass sich Felix Brummer durch die Menge schleicht, um kurz darauf aufs Mischpult zu springen, einfach nur, um auch mal den hinteren Teil der Fans in der Halle mal näher kennenzulernen, macht ihn umso sympathischer. Und so kann sich der Sänger für seinen Stage Dive zurück zur Bühne auch vertrauensvoll ins Publikum werfen und das Konzert mit „Songs für Liam“ abschließen („Und wenn du mich küsst, dann ist die Welt ein bisschen weniger Sch . . .“).

Ein Kraftklub-Konzert in Eupen, das ist neben schnell getakteter Musik, wortgewaltigen Texten und Ekstase zwar längst nicht perfekt. Und ja, es mögen sich einige Songs ähneln. Das ist aber völlig egal. Denn: Hinterher ist die Welt irgendwie ein bisschen mehr eskaliert. Im positiven Sinne.

Unterstützung bekamen Kraftklub bei ihrem Konzert von der Band „Giant Rooks“. Die fünf Jungs aus Hamm sind zwischen 16 und 18 Jahre alt und erinnern an Kings of Leon. Ihre Single „Småland“ ist absolut hörenswert.