1. Kultur

Köln: Koscheres Kölsch lockt ihn nicht: Aachens Ex-Rabbiner jetzt in Köln

Köln : Koscheres Kölsch lockt ihn nicht: Aachens Ex-Rabbiner jetzt in Köln

Kölsch ist koscher. Da sind sich die Vorstände der Kölner Synagogen-Gemeinde, Abraham Lehrer und Ronald Graetz, sicher. Also könnte der neue orthodoxe Rabbiner, den sie soeben ins Amt gebracht haben, das Bier seiner neuen Heimatstadt problemlos trinken.

Doch Jaron Engelmayer, 32 Jahre jung, gesteht ein wenig schüchtern, Bier sei nicht sein liebstes Getränk. „Das bringen wir ihm noch bei”, sind Lehrer und Graetz sich sicher.

Sie können sich an diesem Donnerstag ein befreites Lachen nicht verkneifen. Denn einen so jungen, dynamischen Rabbiner, der noch dazu Deutsch und Russisch spricht, kann längst nicht jede jüdische Gemeinde in Deutschland der Presse präsentieren.

Engelmayer blickt ernst in die Runde: „Ich möchte die Jugend mehr an die Gemeinde binden und Brücken zwischen den Alteingesessenen und den Zugewanderten aus der ehemaligen Sowjetunion schlagen.”

Damit sind die zwei Probleme, mit denen derzeit fast alle jüdischen Gemeinden zu kämpfen haben, auf den Punkt gebracht. Die Jugend interessiert sich weniger für das religiöse Geschehen, als es den Alten lieb ist.

So hat die Düsseldorfer Nachbargemeinde eben erst ein innovatives Jugendkonzept mit viel Musik, Tanz und Theater initiiert. Auch Engelmayer will in der Kölner Gemeinde, die mit 5.000 Mitgliedern zu den bundesweit größten zählt, Neues wagen.

Dass das gelingen könne, habe er bereits in den vergangenen drei Jahren in Aachen auf seiner ersten Stelle gezeigt, unterstreicht Abraham Lehrer.

In der jüdischen Gemeinde der Karlsstadt hat Engelmayer, der neun Jahre in Israel zum Rabbiner ausgebildet wurde und zugleich einen Pädagogikabschluss vorweisen kann, viele Angebote für die Jugend gemacht und auch bei jüngeren Erwachsenen mit Vortragsreihen neues Interesse geweckt.

Die Beziehung von Mann und Frau, das Leben nach dem Tod, das Böse auf der Welt - solche Themen will der gebürtige Schweizer ebenfalls in der Kölner Gemeinde zur Sprache bringen.

Überhaupt ist dem jungen Geistlichen, der Optimismus ausstrahlt, der Dialog wichtig. So hat er gleich in den ersten Tagen seiner Kölner Amtszeit das Gespräch mit russischsprachigen Gemeindemitgliedern gesucht und sie offenbar durch seine guten Sprachkenntnisse beeindruckt.

Engelmayer, dessen Vorgänger Netanel Teitelbaum aus privaten Gründen Deutschland verlassen hat, hofft, Verbindungen zwischen den Zuwanderern und den in Deutschland geborenen Gemeindemitgliedern schaffen zu können.

Oft genug herrscht in den Gemeinden Sprachlosigkeit zwischen ihnen. „Wir müssen das Unbekannte entmystifizieren”, sagt der junge Rabbiner, der mit seiner 28-jährigen Ehefrau und drei kleinen Kindern nach Köln gekommen ist.

Darum sei auch Offenheit zu den anderen Religionen wichtig, unterstreicht Engelmayer. Den traditionell engen Kontakt der Synagogen-Gemeinde mit Kardinal Joachim Meisner und den Christen in der Domstadt will er jedenfalls fortsetzen.