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Aachen: „Konzert ohne Frack“: Von der ersten bis zur letzten Minute elektrisierend

Aachen : „Konzert ohne Frack“: Von der ersten bis zur letzten Minute elektrisierend

Nach Sergej Eisensteins „Panzerkreuzer Potemkin“ stand mit Fritz Langs Zukunftsvision „Metropolis“ zum zweiten Mal ein zeitkritischer Filmklassiker auf dem Programm der beliebten Veranstaltungsreihe „Konzert ohne Frack“.

Zwei nahezu voll besetzte Vorstellungen im Theater Aachen unterstrichen das Interesse an den Perlen der frühen Filmkunst. Die Symbiose der fantastischen Bilderflut, der originellen Kameraführung und der perfekten Personenführung mit der groß aufbrausenden Live-Vorstellung der Musik wirkte von der ersten bis zur letzten Minute elektrisierend.

Zu dem fragmentarisch erhaltenen und mühsam zusammengesetzten Meisterwerk (in Aachen war die rekonstruierte Fassung aus dem 2001 zu sehen) ist zum Glück die Filmmusik von Gottfried Huppertz weitgehend erhalten geblieben, so dass sich die Arbeit des Arrangeurs Berndt Heller in Grenzen halten konnte. „Metropolis“ entfaltet sich durch die opulente, für ein groß besetztes romantisches Sinfonieorchester geschriebene Musik zu einer „Symphonie der Großstadt“, die wie eine symphonische Dichtung die Optik überzieht. Huppertz mag zwar kein Genie wie Schostakowitsch gewesen sein, dessen Musik den „Panzerkreuzer Potemkin“ bereicherte.

Dafür erweist er sich als handwerklich äußerst geschickter Komponist mit viel Gespür für die Wirkungsmöglichkeiten der Musik. Die schillernde Szenerie des Films mit ihren anonymen Menschenmassen, den Wonnen der Privilegierten, den kleinen menschlichen Episoden und der Welt der Maschinen findet in Huppertz‘ Musik einen denkbar plastischen Niederschlag. Chordirektor Andreas Klippert hält das Aachener Sinfonieorchester zu einem mächtigen Generalklang an, der sich im Dauerforte über die Zuschauer ergießt und manchen feinen Kontrast nicht so richtig zur Geltung kommen ließ. Die Musik strömt episch breit dahin, anders als die feingliedrigeren Klänge in den Chaplin-Filmen, mit denen die Reihe vor Jahren begann.

Die Koordination mit den oft groß angelegten Szenen des Films dürfte weniger Probleme bereiten, dafür erfordert die Partitur eine sehr differenzierte Ausleuchtung des Orchesterklangs und der dynamischen Werte. Damit ging Klippert in seiner Aachener Abschiedsvorstellung etwas pauschal um, was aber den fesselnden Eindruck der denkwürdigen Gesamtleistung nicht schmälerte.