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Aachen: Konzert in St. Nikolaus inspiriert trotz diffuser Akustik

Aachen : Konzert in St. Nikolaus inspiriert trotz diffuser Akustik

Ein in mehrfacher Hinsicht grenzüberschreitendes Projekt hat der Kulturbetrieb der Stadt Aachen in Zusammenarbeit mit dem Institut Français Aachen als deutsch-französische Kooperation im ersten Konzert der Reihe „Across the borders“ geboten: Der Gedichtzyklus „Apfel und Amsel“ des in Aachen lebenden Dichters Jürgen Nendza war von dem französischen Komponisten Patrick Otto in der Besetzung für Solo-Sopran, Chor und Kammerorchester vertont worden.

Beim Konzert in der Citykirche St. Nikolaus wie schon bei der Uraufführung des Werkes im Januar in Reims war auch die Besetzung der Ausführenden französisch-deutsch: Für den Chorpart waren die Vokalensembles Ars Vocalis aus Reims und das Vokalensemble der Musikstudenten der Universität Reims verantwortlich, den Orchesterpart besorgten Streicher des Kammerorchesters „Sonopsie“ aus Rennes und Bläser des Sinfonieorchesters Aachen. Die Sopranistin Agnes Lipka kam aus Köln.

Eine logistische Meisterleistung, die angesichts der komplexen Strukturen des Werkes nicht hoch genug bewertet werden kann. Wie der Komponist, der sein Werk auch selber dirigierte, die verschiedenen Klangkörper zusammenhielt und zu einem harmonischen Ganzen formte, war bewundernswert. Allerdings trug die diffuse Akustik der Citykirche nicht gerade zum größeren Verständnis der sich ohnehin oft dicht überlagernden Strukturen der Musik bei.

Obwohl Jürgen Nendza seine acht Gedichte vor der Aufführung vorgelesen hatte, blieb die Textverständlichkeit bei der musikalischen Umsetzung völlig auf der Strecke. Dadurch waren auch Bezüge von Text und Musik nicht zu verstehen. Hier wäre eine Aufnahme der Texte in das Programm hilfreich gewesen.

Ottos Komposition ist in ihren Mitteln höchst variabel. Bei aller Würze der Dissonanzen bleibt eine Beziehung zu einem tonalen Zentrum erhalten. Eine Musik von großer Inspiration und gediegenem handwerklichen Können. Die vor allem höchst anspruchsvollen vokalen Partien fanden in den beiden Chören ausgezeichnete Interpreten, die den Anforderungen der Partitur in hohem Maße gerecht wurden.

Die exzellente, auch in extremen Höhen glockenklar intonierende Sopranistin Agnes Lipka meisterte ihre langgezogenen vokalen Linien mit großer Souveränität. Der Orchesterpart war bei den französisch-deutschen Musikern bestens aufgehoben.

Zwei weitere Vertonungen von Nendza-Gedichten als Zugaben rundeten diesen Teil ab. Zuvor hatte die Dirigentin der beiden Chöre, Hélène Le Roy, drei Chorsätze von Gabriel Fauré in schönen, rund klingenden Interpretationen zur Aufführung gebracht. Das Publikum in der gut besuchten Citykirche sparte nicht mit Beifall.