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Würselen: Konrad Beikirchers liebevolle Hiebe

Würselen : Konrad Beikirchers liebevolle Hiebe

Regenwasser färbte die Bühnenbretter dunkel, nass sind die Plätze am Rande, gewittriges Prasseln hoch oben auf dem weißen Zeltdach, von dem Tropfen und kleine Bäche sprühen - und doch: Die Arena von Burg Wilhelmstein ist bis auf den letzten Stehplatz besetzt.

Man holt sich sogar noch ein paar Limo-Kisten als Sitzschemel, denn alle wollen ihn erleben: Konrad Beikircher, der Mann, der es fertigbringt, den bereits sechsten Teil seiner „Rheinische Trilogie” zu präsentieren, ist wieder Open-Air-Gast in Würselen.

Diesmal hat er eine zusätzliche Mission, bevor er sich den „chromosomonalen” Eigenheiten des Ur-Rheinländers widmet: Für „Menschen helfen Menschen”, Hilfsaktion unserer Zeitung, die sich nun auch Opfer der Flutkatastrophe im Osten der Bundesrepublik unterstützt, haben Burg-Veranstalter Ulrich Pesch und sein Team spontan 1000 Euro aus ihren Einnahmen gespendet.

Konrad Beikircher leistete nicht nur gleichfalls seinen Beitrag, er rief das Publikum dazu auf, die Sammelbüchsen zu „füttern”.

Auch am Donnerstag wurde die Aktion in Jülich fortgesetzt, am Freitag und Samstag wird Götz Alsmann von der Burgbühne aus zum Spenden aufrufen und am Samstag Nena im Jülicher Brückenkopf-Park. „Eine spontane Entscheidung”, betont Pesch. „Wir können nicht abseits stehen, wenn so viel Not herrscht.”

„Die beste Hilfe ist die Nachbarschaftshilfe”, fasst Beikircher das Anliegen aller zusammen. Allein steht er auf die spartanische Bühne: Wie immer dunkles Outfit, dazu ein rosafarbenes Hemd.

Beikircher braucht keine Kulisse, das ganze Rheinland ist sein Bühnenbild. So manche Geschichte kennt man schon, aber sie ist doch wieder anders und neu.

Der kluge Kabarettist mit dem enormen Wissen, hat sein Publikum im gestenreichen Griff. Die Psychologie der rheinischen Grammatik, der Clinch mit dem dummen Duden, der diese speziellen Fälle niemals akzeptieren wird, die Genialität der mundartlichen Verschlingung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft - das alles referiert er mit atemberaubender Perfektion. Wenn er Hiebe verteilt, sind sie stets liebevoll.

Seine Beobachtungsgabe ist und bleibt ein treffliches Instrument. „Tock, tock, tock” klopft er auf das Mikrophon. „Das ist das Erste, was Festredner und Vereinsvorsitzende tun”, lächelt er, und zustimmendes Beifall rauscht auf. „Ich wollte sie nicht lange aufgehalten haben...”

Zum Glück lässt sich Beikircher noch ein wenig Zeit. Die Reise durch das „Separat-Universum” des Rheinländers ist längst nicht zuende. Ob Quanten- oder Relativitätstheorie - über 1000 Zuschauer werden schlagartig klüger und zufriedener, wenn sie diesem Mann applaudieren dürfen. Und das tun sie gern.