1. Kultur

Aachen/Geilenkirchen: Kongolose war "wie ein großer Bruder"

Aachen/Geilenkirchen : Kongolose war "wie ein großer Bruder"

Auch am zweiten Verhandlungstag vor der Aachener Schwurgerichtskammer (Vorsitz Richter Gerd Nohl) kam kein Licht ins Dunkel im mysteriösen Mordfall an einem 51-jährigen Mann aus Geilenkirchen.

Vor etwa acht Monaten soll der 21-jährige Angeklagte, ein Kongolese aus Kinshasa, das arbeitslose Opfer in seiner Wohnung aus Habgier auf dem Sofa erstickt haben.

Nach wie vor steht die Frage im Raum, ob es der Angeklagte war, der das Opfer grausam erstickt hat. Die Leiche wurde am 13. Mai gefunden, erst vier Tage nach dem gewaltsamen Tod des beliebten Mannes, in dessen Wohnung sich immer wieder junge Leute in einer Art festen Clique trafen. Das Opfer wurde ausgeraubt, die gestohlenen hochwertigen Elektroartikel wollen einige der Jugendlichen bei dem Angeklagten gesehen haben.

Am Donnerstag sagte die 25-jährige Leiterin des evangelischen Jugendtreffs „Zille” in Geilenkirchen aus. Sie könne nicht glauben, dass der Angeklagte die ihm zur Last gelegte Tat auch begangen habe, meinte sie. Der Kongolese sei ein „warmherziger, hilfsbereiter und ruhiger Mensch”, der ihr im Jugendtreff bei diversen Arbeiten geholfen habe. Er sei einer der „besten Mitarbeiter” von denen gewesen, die ehrenamtlich arbeiteten - mit großem Verantwortungsgefühl ausgestattet und so etwas „wie ein großer Bruder” für die Jugendlichen des Treffs.

Auch die Schwester des Angeklagten sagte vor dem Schwurgericht aus. Ihr Bruder habe sein Leben „im Griff” gehabt, sei überall beliebt und ein intelligenter Mensch. Sie habe immer gedacht, wenn einer aus der Familie im Leben etwas erreichen könne, dann sei er das. Die Verbindungen zu der Clique Gleichaltriger und zu dem Opfer sei ihr seit langem suspekt gewesen. Sie habe jedoch nichts daran ändern können. Er sei eben in falsche Kreise geraten.

Dem Gericht erzählte sie von ihrer Vermutung, ihr Bruder werde wahrscheinlich erpresst und schweige deshalb so beharrlich. Der Fall habe bei den Jugendlichen eine große Unsicherheit verbreitet. Denn keiner wisse, ob nicht ein Unbekannter in den Fall verwickelt sei.

Zunächst, berichtete die Leiterin des Jugendtreffs, seien alle überzeugt gewesen, dass der Angeklagte das Opfer nicht umgebracht habe. Dann aber sei das wohl umgekippt. Man habe sich ja sonst fragen müssen, wer denn der Täter sei - und der laufe schließlich noch frei herum. Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.