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Valkenburg/Aachen: Komfort trifft auf den Drang nach Freiheit

Valkenburg/Aachen : Komfort trifft auf den Drang nach Freiheit

Marodierende Horden junger Volltrunkener, die mit lauter Musik und Gegröle den Campingplatz terrorisieren, das war gestern. Sie sind Ehepaaren mittleren Alters gewichen, die auf Liegestühlen bei einer Tasse Kaffee beobachten, wie sich der Nebel zwischen den Hügeln ringsum den Platz verflüchtigt. Wo sich früher Bierdosen vor Zelten türmten, stehen heute Caravans gehobeneren Standards auf frisch gemähtem dichten Rasen.

Ein Vorstadtidyll in Miniaturform hat auf den Stellplätzen Einzug gehalten hat. Was sich auf den Campingplätzen in Süd-Limburg abspielt, ist symptomatisch für eine Entwicklung in den gesamten Niederlanden.

„Die Gäste, die wir heute haben, sind älter, haben mehr Geld und höhere Ansprüche”, sagt Bas Halmans. Das gelte vor allem für die sanitären Anlagen. „Die müssen mindestens dem Niveau entsprechen, das die Gäste von zu Hause gewohnt sind”, sagt der Besitzer des Campingplatzes Den Driesch nahe des Stadtzentrums von Valkenburg.

Aber auch die Größe der Stellplätze spiele eine nicht zu unterschätzende Rolle. Wohnwagen sind heute bis zu fünf Meter lang, die Autos würden entsprechend auch größer. Aber das sei nicht der einzige Grund für die hohe Nachfrage nach größeren Stellplätzen. „Erholung hat sehr viel mit Privatsphäre und Größe des zur Verfügung stehenden Raums zu tun”, ist die Erfahrung von Bas Halmans.

Wie viele andere Campingplatzbesitzer auch, hat der 39-Jährige sich den Bedürfnissen der Gäste angepasst und seinen Platz vor zwei Jahren modernisiert. Die klassische Pommesbude sucht man seitdem vergebens. Ihre Nachfolgerin kommt französisch-chic daher und nennt sich Brasserie. Hier wird nicht gegessen, hier wird diniert.

Traurig ist Halmans über den Trend, der sich in den letzten zehn Jahren immer deutlicher durchgesetzt hat, nicht. „Fußballclubs und Junggesellenabschiede wollen wir hier nicht”, sagt er ganz klar. Und um Jugendliche müsse er eh nicht mehr buhlen. Die ziehe es mit dem Billigflieger in die Türkei. Stattdessen kommen Gäste wie Nanne van Eijk aus Melderslo mit Frau und Katze. „Sehr angenehm”, findet der die Ruhe.

„Bei den Campinggästen handelt es sich oft um Leute, die in ihrer Jugend gezeltet und mit steigendem Einkommen einfach höhere Erwartungen haben”, erklärt Anya Niewierra, Leiterin des Fremdenverkehrsbüros Süd-Limburg. Im Sommer seien die niederländischen Camper in Spanien oder Frankreich unterwegs, in der Vor- und Nachsaison in der Heimat.

Ebenfalls beliebt seien sogenannte Chalets, großzügige Standcaravans, die oft schon Bungalows ähneln. „Die nehmen inzwischen immer mehr die Position einer Zweitwohnung ein”, erklärt die Leiterin des VVV.

Die Gemeinde Maastricht sieht das nicht gerne, da - je nach Aufenthaltsdauer - schon von wohnen und nicht mehr von campen gesprochen werden muss. Deshalb will sie Dauercamping unterbinden. „Eine 81-jährige Frau hier auf dem Platz kommt schon seit fünfzig Jahren. Jetzt muss ihr Standcaravan weg”, sagt Bas Halmans dazu nur kopfschüttelnd.

Camping spielt in Süd-Limburg im Tourismus-Sektor eine bedeutende Rolle. Rund 25 Prozent der Übernachtungen werden hier auf Campingplätzen gebucht. 1500 feste Stellplätze gibt es, dazu kommen 6000 touristische.

„Die Anzahl der Campingplätze ist in den vergangenen zehn Jahren um 30 Prozent zurückgegangen, aber das ist keine Tragik”, sagt Anya Niewierra. Dafür seien die Stellplätze ja - auch wegen neuer Brandschutzregelungen - größer und teurer geworden.

Der Camping-Tourismus auf deutscher Seite hat sich ähnlich entwickelt. Die Vorlieben, die die Gäste von Bas Halmans haben -Êkulturhistorisch nettes Ambiente, Komfort, Entspannung und viel Platz -, finden sich auch bei den Urlaubern in der Eifel wieder. Beispielsweise auf dem Campingplatz nahe der Altstadt Monschaus.

„Die Prämisse ,möglichst preiswert gilt beim Campen nicht mehr”, resümiert auch Jochen Tautges, Geschäftsstellenleiter der Monschau Tourismus GmbH. Vielmehr treffe Luxus auf Freiheitsdrang. Ein Beispiel: Auf der Anlage am Freilinger See gibt es neuerdings zwei Stellplätze mit Häuschen, die mit Küche, Bad und Fußbodenheizung ausgestattet sind. Ein Piccolo im Kühlschrank als Begrüßung inklusive.