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Würselen/Bardenberg: Köstliches Gruseln: Paradiesvogel Tim Fischer auf der Burg-Bühne

Würselen/Bardenberg : Köstliches Gruseln: Paradiesvogel Tim Fischer auf der Burg-Bühne

Sechs Männer in Zylinder und Trauerkleidung - und ein schwarzen Sarg. Während das Burg-Publikum begreift, dass es sich bei den düsteren Herren um die exzellenten Musiker aus Fischers Band handelt, entsteigt der „Tote” seiner letzten Behausung.

Leichenblass, mit blutrotem Mund intoniert Tim Fischer Ludwig Hirschs Lied „I lieg am Rucken” - geradezu vampirisch spielt der grandiose und einfallsreiche Entertainer, der bereits als 16-Jähriger auf der Bühne stand, mit Grauen, Grusel - und glänzend vorgetragenem Wiener Schmäh.

Betörend morbid umgarnt der aus Delmenhorst stammende Chansonnier (34) das begeisterte Burg-Publikum, das diesem dunkel glühenden Paradiesvogel weder widerstehen kann noch will. In den 1930er Jahren, die er so hinreißend zwittrig heraufbeschwört, hätte man den Künstler - zwischen Kopfstimme und sündhaft-tiefem Timbre - vermutlich als „dekadent” gebrandmarkt. Genau mit diesem Image spielt Fischer kunstvoll und raffiniert.

Aber nicht nur als sündiger Engel macht er in seinem Programm „Regen” die Fans kirre: Arg lustig wird´s zum Beispiel beim „Salzburger Schnürlregen” - in einer köstlichen Parodie auf die so genannte Volksmusik imponiert der zarte Entertainer als blond bezopfte Maid im feschen Dirndl, ihm zur Seite sein Keyboarder Gert Thumser als urwüchsiger „Naturbursch”.

Später schlüpft der androgyne Bühnenzauberer in ein silbriges, fast durchsichtiges Kleid, wie aus Myriaden von Tropfen (oder Tränen?) gewirkt. Kongenial unterstützt Fischers großartige Band die abwechslungsreichen Rollenspiele und gesungenen Beziehungsdramen. Übrigens: Kein Tropfen trübte an diesem Abend das Vergnügen des Publikums - trotz des „Regen”-Mottos.