1. Kultur

Körper und Seele im Blickfeld

Körper und Seele im Blickfeld

Hasselt (an-o/ch) - Was Marc Desmet als Essenz seines Tuns bezeichnet, scheint erst einmal unvereinbar: Dem Leidenden die Menschenwürde wahren zu helfen, sieht er als seine wichtigste Aufgabe an - wobei er den Arzt wie den Priester gleichermaßen gefordert sieht.

Dabei denkt er nicht nur an die in Belgien gesetzlich geregelte Sterbehilfe, deren Gegner er als Christ ist. Viel mehr spielt für ihn zusammen, wenn er das Thema "Palliativmedizin" einer genauen Betrachtung unterzieht. Ein Punkt sind für Desmet Erwägungen, bei denen es darauf ankommt, zu entscheiden, ob jede Erkrankung eines sterbenden Menschen um jeden Preis bis zum Ende behandelt werden muss. Der andere sind Überlegungen zur Symptomtherapie, die dem Patienten auch in den letzten Tagen noch ein Maximum an Lebensqualität schaffen soll.

In seinem Buch "Is lijden mensonwaardig?", das bisher nur in niederländischer Sprache beim flämischen Verlag Lannoo (Tielt) erschienen ist, formuliert Desmet als prinzipiellen Ansatz: "Die Unterstellung, dass Leiden und Menschenwürde einander ausschließen, will ich in Frage stellen." Der Gesellschaft, die Leiden und Menschenwürde als unauflöslichen Gegensatz sieht, hält den Spiegel mit den Worten "Wie glaubwürdig ist der Kampf gegen das Leiden, wenn man nicht gleichzeitig auch an die Würde des Leidenden glaubt?" vor. So sieht Marc Desmet auch den Arzt gefordert, wenn er seinen Patienten mit einer fatalen Diagnose konfrontieren muss: "Die Wahrheit ist ein Weg, ein Lebensweg, ein Weg zum Leben." Diesen Weg zu eröffnen, sieht er als fundamentale Aufgabe der Palliativmedizin an.