Köln: Kölner Publikum liebt Popdiva Madonna

Köln: Kölner Publikum liebt Popdiva Madonna

Klar wirkt es unglaubwürdig, wenn sich eine 53 Jahre alte Frau mit halbnacktem Oberkörper räkelt, sich dabei das Haar von einem wesentlich jüngeren Mann öffnen lässt - und dann singt: „Wie eine Jungfrau, zum allerersten Mal berührt.” Doch die Fans in der Kölner Lanxess-Arena lieben Madonna. Da mögen Musikkritiker noch so hart ins Gericht gehen mit dem alternden Popstar.

Die US-Künstlerin hat am Dienstagabend ihr drittes und letztes Deutschland-Konzert auf ihrer aktuellen „MDNA”-Welttournee gegeben. Nach zwei Auftritten Ende Juni in Berlin und dem Gastspiel jetzt in Köln zieht der Madonna-Zirkus weiter.

Den vielleicht intensivsten Augenblick in Köln - jedenfalls gemessen an den Fanreaktionen - gab es bei Madonnas ruhiger, von einem Klavier begleiteten Version ihres 80er-Jahre-Hits „Like A Virgin”. Lasziv haucht sie die Zeilen „Touched for the very first time” ins Mikrofon, während hinter ihr der junge Mann herumfuchtelt. Die 15.000 Zuschauer geraten da beinahe aus dem Häuschen. „Madonna!”, kreischt einer laut durch die fast ausverkaufte Halle.

Als Medley ihrer größten Hits will die Amerikanerin ihre seit Ende Mai laufende Tour offensichtlich nicht verstehen, auch wenn bewährte Songs wie „Papa Dont Preach” und „Like A Prayer” nicht fehlen. Fast die Hälfte der rund 20 Nummern, die Madonna an diesem gut zweistündigen Konzertabend präsentiert, stammen von ihrer neuen Scheibe „MDNA”. Für ihr zwölftes Studioalbum wurde Madonna nicht gerade mit Lob überschüttet. Das Wort „Bitch” (Hure) kommt dort auffallend häufig vor, gemünzt ist es auch auf Lady Gaga, die Madonna zunehmend die Stellung als „Queen of Pop” streitig macht.

In Nordrhein-Westfalen zeigt sich, dass Madonna-Konzerte durchaus mal größere Events waren. Bei der „Confessions”-Tour im Jahr 2006 waren in Düsseldorf 45.000 Fans dabei. Zwei Jahre später waren es am selben Ort 38.000. Andererseits: Trotz Ticketpreisen bis an die 200 Euro schafft es Madonna noch, 15.000 Zuschauer anzulocken.

Zumindest in dieser Gruppe geht die Rezeptur voll auf: Plastikpop, der jede Dorfdisco zum Kochen bringt, garniert mit einer gigantischen Bühnenshow. Ständig heben und senken sich Podeste, manchmal verschwindet Madonna in Löchern, die sich im Bühnenboden auftun.

Mal pendelt ein überdimensionales Weihrauchfass über die Bühne, mal hängt ein riesiger Kronleuchter mit roten Schirmlampen von der Decke herab. Madonna trägt eine Cheerleader-Uniform, dann wieder ein Glitzerkleid oder auch nur eine lange schwarze Hose. Und an einer Stelle schweben plötzlich Trommler ein - die Männer hängen wie Marionetten an Seilen unter der Bühnendecke.

Madonna ist einerseits natürlich Diva. Der Beginn des Kölner Konzerts war für 21.30 Uhr geplant, doch die Künstlerin ließ sich noch 45 Minuten Zeit. Andererseits zeigt sich Madonna auch fast drei Jahrzehnte nach Erscheinen ihres Debütalbums erstaunlich nahbar. Bei „Like A Prayer” rennt sie über den Laufsteg, der aus zwei Richtungen zu einem Dreieck zusammenläuft und bis in die Hallenmitte reicht. Sie greift nach den ausgestreckten Armen, die Szene gleicht einem Bad in der Menge.

In Köln hatte der fröhliche Auftritt auch etwas von verlängertem Christopher Street Day, bei dem am Wochenende Zigtausende Schwule und Lesben in den Straßen der Domstadt feierten. Und so durfte auch Entertainerin Hella von Sinnen nicht fehlen. Doch die verfolgte das bunte Treiben diesmal nicht von der Bühne, sondern ganz entspannt von den Zuschauerrängen aus.