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Aachen: Kölner Künstler wandelt auf Warhols Tapetenspuren

Aachen : Kölner Künstler wandelt auf Warhols Tapetenspuren

Als Andy Warhol für eine Verkaufsausstellung in der New Yorker Galerie von Leo Castelli im April 1966 nichts mehr einfiel, riet ihm dessen Assistent Ivan Karp: „Mal doch mal was Ländliches, Kühe vielleicht.“ Warhol, der eigentlich gar keinen Bock mehr auf Kunst hatte, tapezierte kurzerhand die gesamte Galerie voll mit einer gedruckten — Kuhtapete.

Der Kölner Künstler Klaus vom Bruch (62) wandelt jetzt im Neuen Aachener Kunstverein (NAK) gewissermaßen auf Warhols Tapetenspuren — allerdings längst nicht so harmlos-heiter wie der Pop-Artist, eher ziemlich böse. Die Konturen von Drohnen bilden den Rapport der auf die Wand gekleisterten Papierbahnen.

Der piefige bürgerliche Wohnungsschmuck mit seinem spießigen Muster beginnt im Geiste des Betrachters plötzlich zu schwingen: zwischen friedlich privater Vertrautheit und gefährlicher Bedrohung. Ganz im Sinne des Künstlers, der sich von jeher mit dem Zusammenhang von Technologie, Macht und Gewalt auseinandersetzt. „Wie wirken Drohnen?“, sagt er. „Genau darum geht es.“ Und spricht dabei von „Staatsterror“: „Da wird ein Todesurteil gefällt, ohne dass eine Verhandlung stattgefunden hat.“ Und wir haben uns daran gewöhnt wie an eine heimische Blumentapete. Wieso eigentlich?

Kunst, die aufrüttelt

Auf subtile Weise rüttelt die Kunst des Klaus vom Bruch auf, der 1952 in Köln geboren wurde, heute in Berlin lebt und seit 1999 beziehungsweise 2000 als Professor an der Akademie der Bildenden Künste München und an der Columbia University in New York lehrt. Ein kritischer Geist, der als Videopionier begonnen und bereits in den 70er Jahren in der Neuen Galerie — Sammlung Ludwig unter Wolfgang Becker ausgestellt hat. Zusammen mit Ulrike Rosenbach und Marcel Odenbach sendete das Trio 1977 als erste Künstler in Deutschland ihr eigenes Fernsehprogramm — auf einem illegalen Piratensender, mit 100 Meter Reichweite. Der NAK dokumentiert die Weiterentwicklung.

Texte von Marquis des Sade in japanischen Schriftzeichen überführen das Böse in vermeintlich ornamental-kalligrafische Harmlosigkeit als Bestandteil einer Blumentapete, gezeichnete Geisteskrankenfantasien aus dem Werk eines französischen Autors bilden das hintergründig unterlegte Muster der Drohnentapete.

Drei Videobilder kreisen nebeneinander und hinterfragen die bewusstseinsbildende Macht von buchstäblich „herrschenden “ Medien: Aufnahmen von männlichen und weiblichen Hollywood-Schauspielern und Perspektiven von amerikanischen Piloten im Irakkrieg, wie sie als Dokumente eines vermeintlich „sauberen“ Kriegs über das Fernsehen in die Wohnzimmer der Welt Einzug gehalten hatten.

Mit grünlichen Fadenkreuzen und Kompassnadeln wirken sie wie Videospiele. Die Bewusstseinsindustrie schlägt zu.