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Köln: Köln: Polizei räumte 260 besetzte Wohnungen

Köln : Köln: Polizei räumte 260 besetzte Wohnungen

Ein Großaufgebot der Polizei hat in Köln rund 260 besetzte Wohnungen unmittelbar am Messegelände geräumt. In dem seit drei Monaten besetzt gehaltenen „Barmer Viertel” wurden in der Nacht zum Donnerstag 36 überwiegend junge Leute vorübergehend in Gewahrsam genommen, um deren Identität festzustellen, berichtete die Polizei.

Die Stadt Köln, die die Aktion veranlasst hatte, sprach von „hygienisch katastrophalen und sicherheitsgefährdenden Zuständen” in den Wohnungen. Zudem habe die Zahl der Straftaten im Umfeld der Häuser deutlich zugenommen.

Mehrere hundert Polizeibeamte waren bei dem Einsatz in den frühen Morgenstunden beteiligt, außerdem waren Feuerwehr und zahlreiche Mitarbeiter der Stadt vor Ort. Die Beamten mussten sich mit Zwangsmaßnahmen Zugang zu den Häusern verschaffen, Türen wurden aufgebrochen. Die Zahl der Straftaten in der Nähe der Wohnungen habe sich verdreifacht, sagte ein Polizeisprecher. Zudem sollen sich dort polizeiliche gesuchte Personen aufgehalten haben.

Die Stadt will die Häuser im rechtsrheinischen Stadtteil Deutz bis Ende Juni abreißen, um das Areal baureif an künftige Investoren zu übergeben. Stadt-Sprecher Ulrich Höver sagte: „In den Wohnungen wurden ständig bauliche Veränderungen vorgenommen. Die Rettungswege waren mit Schrott und Unrat blockiert. Es sind auch mehrere Brände ausgebrochen.” Auf dem wichtigen Gelände zwischen ICE-Bahnhof und umgebauter Messe werde ein modernes Wirtschaftszentrum entstehen, das Interesse potenzieller Investoren sei groß.

Am Mittwoch hatten die Hausbesetzer Mitarbeitern des Ordnungs- und Gesundheitsamts den Zutritt verweigert. Daraufhin hatte die Stadt die Polizei zu Hilfe gerufen, die in der Nacht um 4 Uhr mit der Räumung begann. Die Hausbesetzer, die sich zum Teil in der Initiative Barmer Viertel zusammengeschlossen hatten, kritisierten, dass nun rund 100 Menschen wieder obdachlos würden. Die Gruppe bestritt, dass es zu Häufungen von Straftaten gekommen sei. Kürzlich habe die Initiative vorgeschlagen, eine Mieter-Genossenschaft zu gründen und die besetzten Häuser für eine Millionen-Summe von der Stadt zu kaufen.

Im „Barmer Viertel” mit insgesamt fast 400 Wohnungen - einige davon standen einst unter Denkmalschutz - waren in den vergangenen Wochen bereits mehrere Häuser abgerissen worden. Die Hausbesetzer wollten den Erhalt eines Häuserkarrees mit 260 Wohnungen erzwingen, das nun aber auch verschwinden wird.