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Köln: Köln feiert seine Kunst, die aus Aachen kam

Köln : Köln feiert seine Kunst, die aus Aachen kam

Das Museum Ludwig in Köln blickt im Jahr 2016 gleich drei großen Jubiläen entgegen. Für zwei davon wurde der Grundstein in Aachen gelegt. Der Witz: Das sind nur die offiziell gefeierten Jubiläen. Eigentlich können Köln und das Museum Ludwig noch zwei weitere Jubiläen feiern, die ihren Ursprung in Aachen haben.

Das erste, noch ureigene kölsche Jubelfest: 1946 schenkt Josef Haubrich der Stadt Köln seine Sammlung mit Werken der Klassischen Moderne der Stadt Köln.

Das Museum Ludwig in Köln feiert nächstes Jahr gleich mehrere Jubiläen, die mit ihren Namen und ihren epochalen Kunstschenkungen verbunden sind: das Aachener Sammler-Ehepaar Irene und Peter Ludwig. Die Gründung des Museums Ludwig vor 40 Jahren gehört ebenso dazu wie die Eröffnung des Neubaus vor 30 Jahren. Aber Köln könnte eigentlich noch weitere Jubiläen feiern, die mit den Ludwigs zusammenhängen . . .
Das Museum Ludwig in Köln feiert nächstes Jahr gleich mehrere Jubiläen, die mit ihren Namen und ihren epochalen Kunstschenkungen verbunden sind: das Aachener Sammler-Ehepaar Irene und Peter Ludwig. Die Gründung des Museums Ludwig vor 40 Jahren gehört ebenso dazu wie die Eröffnung des Neubaus vor 30 Jahren. Aber Köln könnte eigentlich noch weitere Jubiläen feiern, die mit den Ludwigs zusammenhängen . . . Foto: dpa

Das Zweite: Vor 40 Jahren, am 23. Februar 1976, unterzeichnet das Aachener Sammlerehepaar Peter und Irene Ludwig die Schenkungsurkunde über 350 Werke moderner Kunst an die Stadt Köln. Damit ist das Museum Ludwig gegründet, das Köln als Gegenleistung unter diesem Namen zu errichten hat.

Er stellte gestern das Jahresprogramm 2016 des Museums Ludwig vor: Museumsdirektor Yilmaz Dziewior. Die Höhepunkte bilden dabei zwei Jubiläumsausstellungen — eine ist Fernand Léger gewidmet, eine andere thematisiert das Museum Ludwig selbst.
Er stellte gestern das Jahresprogramm 2016 des Museums Ludwig vor: Museumsdirektor Yilmaz Dziewior. Die Höhepunkte bilden dabei zwei Jubiläumsausstellungen — eine ist Fernand Léger gewidmet, eine andere thematisiert das Museum Ludwig selbst. Foto: Oliver Berg/dpa

Neubau vor 30 Jahren

Das Dritte: Vor 30 Jahren, am 6. September 1986, wird der von den Kölner Architekten Busmann und Haberer entworfene Neubau am Rhein feierlich eröffnet.

Aber mehr noch: Weitere gewaltige Schenkungen von Weltformat kommen von dem Aachener Unternehmerpaar dazu: zuerst 90 Picassos im Jahr 1994.

Dann die Wahnsinns-Schenkung, die für das vierte, bislang noch inoffizielle 15-jährige Jubiläum für 2016 sorgt: 774 Werke von Pablo Picasso gehen 2001 an das Museum Ludwig über — eine der größten mäzenatischen Taten aller Zeiten in Deutschland. Die Folge: Das bis dato im Museum Ludwig auch noch untergebrachte Wallraf-Richartz-Museum zieht in ein eigenes, extra neu gebautes Haus um. Das war die Bedingung. Sämtliche 8000 Quadratmeter Ausstellungsfläche im Museum Ludwig sind seither der modernen und der zeitgenössischen Kunst vorbehalten.

Ein fünftes, zugegebenermaßen etwas kleineres, weil nur fünfjähriges Jubiläum könnte Köln 2016 auch noch feiern. Aber die Schenkung, die hat es wieder in sich gehabt: Im März 2011 wird das Testament der am 28. November 2010 gestorbenen Irene Ludwig eröffnet. Ergebnis: 575 Werke aus der Privatsammlung der Ludwigs gehen in den Besitz städtischer Museen in Köln und Aachen über. 528 Werke erbt Köln — Aachen 47!

Kern der Schenkung an Köln ist die Sammlung der Russischen Avantgarde aus der Zeit zwischen 1905 und 1930, die allein 473 Werke umfasst. Dazu gehören unter anderem Namen wie Wassily Kandinsky, Alexander Rodtschenko und Kasimir Malewitsch. Dazu kommen 26 Werke aus der Ausstellung „Von Matisse bis Morimura“ aus dem Herbst 2000 — auch hier gehen Dauerleihgaben im Museum Ludwig mit so weltberühmten Namen wie Georges Braque, Edgar Degas, Paul Klee und Jasper Johns in das Eigentum Kölns über.

Grundstein wird 1968 gelegt

Köln erbt weiterhin 20 Dauerleihgaben aus dem Schnütgen-Museum — zum Beispiel sechs Glasmalereien aus dem ehemaligen Kreuzgang des Klosters Altenberg, in Köln entstanden zwischen 1505 und 1520.

Der Grundstein all dessen wurde in Aachen gelegt: Alles begann im Sommer 1968 mit der legendären Ausstellung im Aachener Suermondt-Museum, als Peter Ludwig zum ersten Mal unter dem Titel „Zeitbild — Provokation — Kunst“ seine Pop-Art-Sammlung präsentierte. Leider war Aachen in der Folge nicht bereit, mit einhelliger Zustimmung aller politischen Parteien im Rat ein neues Museum zu bauen, wo die Pop-Art den Kern bilden sollte. Köln dagegen packte sogleich vorausschauend, visionär, herzhaft und zielstrebig zu. Der Rest ist Geschichte . . .

Yilmaz Dziewior, der Direktor des Museums Ludwig, stellte am Donnerstag das Jahresprogramm seines Hauses für 2016 vor. Im Zentrum stehen zwei Jubiläumsausstellungen: Die erste findet vom 9. April bis zum 3. Juli statt und ist dem französischen Künstler Fernand Léger gewidmet. Logisch, dass wieder eine Ludwig-Schenkung den Ausgangspunkt bildet: Es ist das Wandgemälde „Les Plongeurs“ (Die Taucher) von 1942, das Peter und Irene Ludwig vor 30 Jahren speziell für den neuen Museumsbau in Köln erwarben. Die Schau soll Bezugspunkte setzen zu all den Disziplinen, denen Léger künstlerisch verbunden war. Das reicht von der Architektur bis zum experimentellen Film.

Die zweite Jubiläumsausstellung (27. August bis 8. Januar 2017) heißt: „Wir nennen es Ludwig. Das Museum Ludwig wird 40!“ Sie soll den Höhepunkt des Jahres 2016 darstellen. Dazu werden 24 künstlerische „Positionen“ eingeladen — Einzelkünstler sowie Teams und Kollektive —, die eigens für die Schau Werke entwerfen sollen, die das Museum Ludwig in irgendeiner Weise selbst reflektieren und in seinem Charakter und in seiner Funktion wie auch immer zum Thema haben.

Dazu gehören unter anderem so weltberühmte Namen wie Gerhard Richter und Rosemarie Trockel ebenso wie noch nicht so bekannte Künstler aus allen Kontinenten der Welt. Direktor Dziewior bezieht sich auch hier dezidiert auf die geistigen und materiellen Wurzeln aus Aachen: „Damit unterstreicht das Museum Ludwig einmal mehr seine postkoloniale Ausrichtung, die sich schon in der Sammlungstätigkeit von Peter und Irene Ludwig abzeichnete.“ Glücklich, wer solch ein Erbe hat...