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Bonn: Klischees und Stereotypen hinterfragen: Ausstellung von Susan Donath

Bonn : Klischees und Stereotypen hinterfragen: Ausstellung von Susan Donath

Sie ist die Frau, die Schneewittchen gerne unter die Erde bringen würde: Susan Donath. Die in Dresden lebende Künstlerin hat auch schon ein Grabgesteck für die Beerdigung der Märchenfigur vorbereitet. „Wir nehmen Abschied von Schneewittchen. Es trauern die sieben Zwerge, die Tiere des Waldes, Kinder, die ihre Geschichte kennen, Erwachsene, die ihre Geschichte rührt”, steht auf dem Trauerband. Das Gesteck ist nun zusammen mit anderen Arbeiten der Bildhauerin in der Ausstellung „Den Toten” im Künstlerforum in Bonn zu sehen.

„Die Geschichte von Schneewittchen ist politisch absolut inkorrekt”, bemängelt die 37-jährige Donath im Gespräch. „Schneewittchen kann nichts und macht nichts, außer schön auszusehen.” Ein überholtes Frauenbild, das Donath am liebsten beerdigen würde. Sprichwörtlich sogar: Sie hofft, irgendwann ihre Schneewittchenskulptur in einem Sarg auf einem Friedhof beizusetzen. Eine Trauerrede gibt es schon.

In ihren Arbeiten hinterfragt Donath immer wieder Klischees und Stereotype. Sie kratzt an den porösen Stellen gesellschaftlicher Standards, an Tabus ohne sie komplett zu brechen. Vor allem der Tod beschäftigt sie. „Ich finde es schade, dass man mit dem Tod so kompliziert umgehen muss”, sagt sie.

Aber einfache Themen interessieren die Dresdnerin nicht. „Susan Donath schreckt vor der Schwere dieser Themen nicht zurück, sondern schaut genau hin, spannt den Bogen ins Hier und Jetzt und hält uns damit in einer humorvollen und zuweilen ironischen Art einen Spiegel vor”, begründete die bundesweite Künstlerorganisation Gedok, weshalb sie Donath den Dr. Theobald Simon Preis verleiht.

Für ihre Werke recherchiert Donath intensiv, oft erlernt sie dafür sogar traditionelle Handwerke, wie etwa eine bestimmte Art Trauerkränze zu binden. Auch für „Schwarz-Rot-Gold” hat sie Kränze gewickelt. Sie sind aus angeschliffenen Kunsttrauben, die an eine verbleichte Farbkombination der deutschen Flagge erinnern.

Überhaupt lässt Deutschland und seine Geschichte und Gegenwart der Künstlerin keine Ruhe. So sammelt sie Stasi-Aktenunterlagen ihrer eigenen Familie, verbrennt sie und packt die Asche in eine Urne. Auf einem tschechischen Friedhof pflegt sie in ihrer Langzeitarbeit „Den Toten” ein deutsch-tschechisches Grab und erinnert so an das schwierige Kapitel von Flucht und Vertreibung.

Für ihre Kunstaktionen sucht sie den öffentlichen Raum. Sie sagt: „Facebook-Posts sind feige.” Deshalb hatte sie Anfang 2015 „Rote Karten” mit der Aufschrift „Pegida ohne mich” verteilt. Auch die deutsche Biederkeit hat sie im Visier. Nussknackerfiguren aus dem Erzgebirge stellt sie als schwule Pärchen zusammen. Einem makellosen Puppenhaus fehlt die Bewohnerin - nur eine schwarze Kinderfigur blickt vom Zaun hinein.

(dpa)