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Grevenbroich: Klimakiller und Jobgarant, Milliardengrab und Goldgrube

Grevenbroich : Klimakiller und Jobgarant, Milliardengrab und Goldgrube

„Bundeshauptstadt der Energie” - diesen Titel hat sich Grevenbroich nicht ohne Stolz gegeben. Kein Wunder, liefern doch die beiden Braunkohlekraftwerke Frimmersdorf und Neurath, die das Erscheinungsbild der 65.000-Einwohner-Kommune weit sichtbar prägen, einen Großteil des Stroms für Nordrhein-Westfalen.

Grevenbroichern, denen der Energiestatus wichtig ist, dürften seit einigen Tagen etwas ruhiger schlafen. Sie werden ihren Titel wohl noch einige Jahrzehnte behalten. Neujahr ist ganz offiziell mit dem Bau eines neuen Braunkohlekraftwerks in Neurath begonnen worden. 2200 Megawatt sollen zwei neue Blöcke ab 2009 ins Netz einspeisen.

Von der Landstraße 375 sieht es aus, als würde ein neuer Tagebau entstehen. Eine 33 Hektar große Fläche wurde planiert, damit die Fundamente für die später 170 Meter hohen Kesselhäuser gegossen werden können. 4000 Bauarbeiter werden hier in den nächsten Jahren einen Arbeitsplatz haben.

Grevenbroichs Bürgermeister Axel Prümm freute sich, dass das neue Kraftwerk den Standort und damit die Arbeitsplätze langfristig sichern würde. So weit so gut, gäbe es nicht auch Stimmen, die behaupten, dass das neue Kraftwerk in Neurath ein Milliardengrab für den Betreiber RWE-Power sei. Da gab es auf der RWE-Hauptversammlung 2005 zum Beispiel den Aktionär Helmut Kohler, der dem Vorstand vorrechnete Kohle und Uran im Wert von 126 Milliarden Euro zu verschlingen, die eigentlich der Allgemeinheit gehörten, um einen Bilanzgewinn von 843 Millionen Euro zu erzielen. „Was ist das für eine Geschäftstätigkeit?”, fragte der Aktionär.

Greenpeace-Energie-Experte Jonas Mey wurde auf der gleichen Veranstaltung noch konkreter: „Heute noch zwei Milliarden Euro in das Kraftwerk Neurath zu investieren, bedeutet Geld in den Sand zu setzen.” Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat ausgerechnet, dass bis 2050 alleine in Deutschland 137 Milliarden Euro Schäden durch Klimawandel entstehen werden. „Es ist eine Frage der Zeit, bis Regierungen und Versicherungsgesellschaften die Kosten für Klimaschäden nicht mehr tragen wollen und Verursacher wie RWE zur Kasse bitten”, unkt Mey.