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Düsseldorf: Kleine Köche finden Nudeln „cool”

Düsseldorf : Kleine Köche finden Nudeln „cool”

Dicke Tränen kullern der acht Jahre alten Greta über die Wangen. Dennoch strahlt das Mädchen über das ganze Gesicht. „Das ist jetzt meine Freundin”, sagt Greta überglücklich und zeigt auf Antonia.

Die beiden Mädchen stehen nebeneinander auf kleinen Schemeln an einem Schneideblock und haben sich gerade erst kennen gelernt. Während Greta ihre Tränen mit einem Küchentuch trocknet, schneidet Antonia unter Aufsicht von Monika Werner eine Zwiebel. In der Zwischenzeit würfeln Marie (8) und Sonja (7) die zuvor geschälten Kartoffeln. Im Düsseldorfer Kids-Kochstudio steht an diesem Tag als Vorspeise Kartoffelsuppe auf der Speisekarte.

„Die Kinder sollen lernen, dass Kartoffelpüree eigentlich nicht aus der Tüte kommt”, erklärt die 32 Jahre alte Ernährungsberaterin. Während der Arbeit mit krebskranken Kindern und Jugendlichen musste die ausgebildete Psychologin erschreckt feststellen, „wie wenig Esskultur die Kinder zu Hause vermittelt bekommen”.

Die Zubereitung einer Mahlzeit dürfe häufig nicht mehr als 15 Minuten in Anspruch nehmen. Alternativ stehe das Fertiggericht oder der Burger auf dem Speiseplan. „Frisches kommt selten auf den Tisch”, ärgert sie sich.

In Nordrhein-Westfalen ist „Kochen als Unterrichtsinhalt” laut Schulministerium „vorgesehen”. Allerdings füllt der Bereich Arbeitslehre, zu dem auch Technik und Wirtschaft gehören, in den Haupt- und Gesamtschulen nur wenige Felder der Stundenpläne.
In den Realschulen können Schüler Kochen als Pflichtfach hinzuwählen. Dabei steht das Zubereiten von Speisen bei Schülern laut Kinder- und Jugendbericht des Landes wie auch Sport und Tierpflege hoch im Kurs.

„Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, Kindern gesunde Ernährung mit frischen Lebensmitteln näher zu bringen”, erklärt Werner. Und die kleinen Köche haben dabei einen Heidenspaß. Egal, ob Jungen oder Mädchen.

„Die Jungs trauen sich mehr zu”, erzählt die Kursleiterin. Dabei interessieren sie sich vor allem beim Backen dafür, warum ein Muffin auf einmal so groß wird und wie er noch größer werden könnte. „Die Mädchen hinterfragen eher nochmal die Rezepte und machen
sich Notizen”, freut sich Werner.

Zur Halbzeit des dreistündigen Kurses holen die Mädchen einen Nudelteig aus dem Kühlschrank. Den hatten die acht kleinen Hände zuvor mit ganzer Kraft geknetet. Antonia fädelt den Teig in die Nudelmaschine, Greta dreht an der Kurbel, und als die ersten dünn gewalzten Teigwaren in Maries Hände gleiten geht es mit ihr durch: „Cool” ruft das Mädchen laut in die Runde.

Doch die kleinen Köche sind skeptisch, beraten darüber, ob sie die Nudeln nicht doch etwas dünner walzen sollten. Dabei beschäftigt sie aber vor allem eine Frage: „Dürfen wir die nachher auch essen?”

Sie dürfen. Und zum Vergleich gibt Werner in einen zweiten Topf gekaufte Spaghetti. Als die Nudeln „al dente” sind, nehmen die Mädchen an dem stilvoll gedeckten Holztisch Platz. Die Kochmützen nehmen sie vom Kopf und das große Schmatzen beginnt. „Total lecker” sind sich die Kinder einig. (Internet: www.kidskochstudio.de)