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Aachen: Klaviermusik jenseits des Mainstreams erfüllt den hohen Anspruch

Aachen : Klaviermusik jenseits des Mainstreams erfüllt den hohen Anspruch

Ihrer Zielsetzung, Programmgestaltungen außerhalb des Mainstreams zu bieten, wurde die von Michael Rische in Zusammenarbeit mit dem WDR durchgeführte Klaviermusik-Reihe „aix piano“ im ersten Konzert der neuen Serie im Kammermusiksaal der Musikhochschule in hohem Maße gerecht.

Der Pianist Rainer Maria Klaas hat den Ruf, ein ausgezeichneter Interpret vor allem zeitgenössischer Musik zu sein. Diese musikalische Präferenz fand auch ihren Niederschlag im Programm seines Klavierabends, in dem er sechs Werke zeitgenössischer Komponisten spielte, die ihm teilweise gewidmet sind und die er uraufgeführt hat.

Frank Zabels „... nach Traumes Wirren ...“, eine Hommage an Robert Schumann, wechselt zwischen eruptiven Bass-Passagen und geradezu verklärt wirkenden Klängen im Diskant. Martin Münchs Toccata festiva bietet dem Hörer ein klanggewaltiges, ekstatisches Klangtableau. Stefan Heuckes „Unendliche Melodie“ für die rechte Hand allein webt eine klanglich sensible Melodie um einen ostinaten Mittelton, der das gesamte Stück durchläuft. Ulrich Schultheiß‘ „gameOver“ lässt jazzige Rhythmen und Akkordik anklingen. Freilich dauert es eine ganze Weile, bis sich die Verheißung des Titels einstellt.

Schließlich zwei Werke von Klaas selber: Bearbeitungen von Chopin-Stücken, die erste kombiniert mit Ravels „Ondine“ die zweite mit Rimsky-Korsakows „Hummelflug“, raffiniert gemacht und sehr klangschön. Klaas ist ein äußerst kompetenter Sachwalter dieser Musik, die spieltechnisch teilweise höchste Ansprüche stellt.

Diesen zeitgenössischen Block umrahmte er mit Beethovens selten zu hörenden Variationen F-Dur op. 34 und Sergej Rachmaninovs Sonate Nr. 2 B-Dur in ihrer originalen Version von 1913. Auch hier zeigt Klaas enorme spieltechnische Fähigkeiten vor allem in der Rachmaninov-Sonate.

Freilich wird hier wie bei Beethoven auch deutlich, dass klangliche Differenzierung und Sensibilität nicht unbedingt seine Stärke sind. Da klang doch manches allzu pauschal. Das Schönste kam als Zugabe: eine klanglich sehr sensible Wiedergabe eines Nocturnes für die linke Hand von Alexander Skrjabin.