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Köln: Klavier-Genie erobert Globus als Pop-Star

Köln : Klavier-Genie erobert Globus als Pop-Star

Gut ein halbes Jahr ist es noch hin, bis er in Köln zwei Gastspiele gibt: der chinesische Starpianist Lang Lang. Und es wird schon jetzt kräftig dafür „getrommelt”... Kaum ist die schwarze Limousine mit den getönten Scheiben vorgefahren, tauchen sie wie aus dem Nichts auf. Schlaksige, junge Chinesen in Turnschuhen, Jeans und Blousonjacken, die schwarzen Haare genauso fransig geschnitten wie die ihres Idols.

In der Hand halten sie Block und Stift, in ihren Gesichtern spiegelt sich eine Mischung aus Erregung und Anbetung. Plötzlich ist es vor dem Haupteingang des Kölner Dom-Hotels sehr eng. Lang Lang durchquert das Meer seiner Fans mit schnellen Schritten.

Wohnt auch in Berlin

Sein fast bodenlanger schwarzer Ledermantel wallt hinter ihm her, und den Ausdruck seiner Augen, die von einer getönten Pilotenbrille verborgen werden, kann man nur erahnen. Der 24-Jährige ist spät dran, hinkt dem ohnehin schon engen Zeitplan eine Dreiviertelstunde hinterher. Die ganze Kölner Innenstadt ist verstopft, überall Stau, das Weihnachtsgeschäft fordert seinen Tribut. Eben war er noch in Essen, jetzt gibt er eine Pressekonferenz im Dom-Hotel, dann noch schnell zum WDR und sofort wieder auf die Autobahn, ab nach Hannover. Dass man ihn einst wegen „Tatenlosigkeit” aus dem Konservatorium in Peking warf, kann sich heute kaum noch jemand vorstellen. Lang Lang ist in China populärer als Robbie Williams, er jettet rund um den Globus und feiert überall, wo er hinkommt, Triumphe.

Der 24-Jährige mit dem punkig-frechen Fransenschnitt gilt als Popstar unter den Pianisten und weltweit erfolgreichster Interpret seines Fachs. Wenn einer ein „global player” ist, dann er. Er hat einen Wohnsitz in Asien, einen in Nordamerika und, seit kurzem, auch noch ein Appartement in Berlin. Dafür wirkt er erstaunlich unprätentiös.

Locker und aufgeräumt plaudert er über seine Reise nach Ettlingen, unlängst erst, den Ort, an dem er einst, mit elf Jahren seinen ersten internationalen Preis gewann und darüber, wie schön das war, all die Leute wieder zu treffen, die damals noch Kinder waren, genauso wie er. Derzeit macht Lang Lang Werbung für seine Open-Air-Tournee, die ihn 2007 in sechs deutsche Städte führen wird. Die beiden einzigen Auftritte in NRW, am 21. und 22. Juni, finden in Köln zu Füßen des Doms statt, auf dem Roncalli-Platz, der gerade erst zum schönsten Platz Deutschlands gekürt wurde.

„Köln ist eine der schönsten und bedeutendsten Städte in Deutschland”, lobt der Starpianist, „und ich liebe die Kathedrale. Immer, wenn ich hier bin, zieht es mich als erstes dort hin”. Direkt vor dem Südportal wird er im Sommer Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 op. 15 C-Dur und Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1 op. 23 b-Moll spielen. „Eine unglaubliche Mischung”, schwärmt der „Meister der Anschlagskultur”, den sein gefühlsbetontes Spiel ebenso populär machte wie seine Art, das mit expressiver Mimik und ganzem Körper wieder zu spiegeln, „Tschaikowsky hat eine Menge von Beethoven gelernt und viele seiner klassischen Formen adaptiert, ich finde es sehr interessant, diese beiden gegenüberzustellen”.

In Deutschland, so sagt er, fühle er sich als Künstler bestens verstanden: „Die Deutschen können auf eine große Tradition zurück- blicken und kommen besser vorbereitet in Konzerte als das Publikum anderswo. Auch die Art, zu applaudieren, ist eine ganz besondere. Wie ein Crescendo: Erst fängt es ganz langsam an, dann steigert sich das, dann springen alle auf und applaudieren immer weiter und weiter. Das hört gar nicht mehr auf. Manchmal denke ich, dass ich nie wieder aus dem Konzertsaal heraus komme”. Im Juni wird ihm dieses Crescendo mit Sicherheit wieder zu Ohren kommen.

Lang Lang lang auf Tour

Lang Lang auf Open-Air-Tournee. In Köln: Donnerstag, 21. Juni, und Freitag, 22. Juni 2007, jeweils 20 Uhr, Roncalliplatz (Dom).

Ticketpreise: 50, 80 bis 142,80 Euro.

Es gibt ein spezielles VIP-Arrangement („Golden Circle”) an beiden Tagen für 349,80 Euro. Darin enthalten: Sitzplätze der besten Kategorie, Programmheft und Champagner-empfang nach dem Konzert im Dom-Hotel, bei dem der Künstler auch anwesend sein wird.