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Aachen: Klaus Doldinger im Theater: Virtuos, dynamisch, immer überraschend

Aachen : Klaus Doldinger im Theater: Virtuos, dynamisch, immer überraschend

Der junge Doldinger ist in Aachen. Endlich wieder! Im Mai gerade mal 80 geworden, zeigt sich der Jazzmusiker und Bandleader im Theater Aachen in jeder Beziehung als ein gut gelaunter, freundlicher, fröhlicher, lebensfroher und wie immer dem Publikum zugewandter Mensch.

Der Virtuose macht an diesem Abend mit den anderen Könnern der aktuellen Passport-Formation den Musentempel zu einem veritablen Großen Haus.

Ausverkauft. Dieses Etikett erfolgreicher Ticket-Bilanz betrifft neben den komplett besetzten Sitzmöbeln durchaus auch andere Kategorien, weil dieses Ereignis, diese Dramaturgie, diese Musik, dieses Gesamtkunstwerk am Ende den Besuchern alles abverlangen: einen emotionalen Ausverkauf an Beifall, Standing Ovations und ganz zum Schluss sogar an gesanglicher Beteiligung.

Mit einem Wort: famos.

Klaus Doldinger: Jazz-Ikone, rund 2000 Kompositionen, darunter natürlich die „Tatort“-Melodie (im Konzert eine der Zugaben) und „Das Boot“. 5000 Auftritte in etwa 50 Ländern. Und jetzt im Theater Aachen: Er jongliert. Er schickt eine Melodie nach der anderen in die Umlaufbahnen seiner unverwechselbaren Klangwelten. Das Auditorium ist von der ersten Sekunde an entzückt.

„Rain Day“: In dieser Tropicana-Farbe startet Doldinger mit seinen exzellenten Musikern in die dreistündige (!) Aachen-Session. Das kommt elegant daher, das steckt voller Dynamik und Gefühl. Das ist die erste Visitenkarte dieses Septetts, dem seine so außergewöhnlichen Percussionisten (Biboul Darouiche und Ernst Ströer) und der Schlagzeuger Christian Lettner eine besondere Tönung schenken, die Doldinger selbst noch dann in wippender Bewegung hält, wenn er gerade keinen eigenen Einsatz am Saxofon hat. Mal jazzt es, mal groovt es, mal funkt es an diesem Abend, immer verströmt diese Spielfreude ihre ansteckende Energie.

Doldinger mag man schon lange kennen und hören, und doch zeigt dieses Konzert, dass er bei allen Wiederholungen immer wieder eine Entdeckung ist. Er spielt und improvisiert. Klaus Doldingers Musik, und das erleben wir im Theater Aachen in dieser Mischung auf wunderbar kompakte Weise, klingt nicht nur virtuos, sondern auch überraschend, weil sie variiert, spontan ist und, ein Beispiel, in ihren Kadenzen bei einem Titel spontan mal auf C (wie in Aachen), mal auf F (wie in Passau) endet.

Sie ist wuchtig wie bei „Abracadraba“ und ruhig wie bei „Ataraxia“, aber immer in Vibration. Und dann: „Sahara Sketches“, ein Mix aus afrikanischer Musik und gemäßigtem Free Jazz. Hier spielt Doldinger auf der Querflöte und gibt damit dem Abend, angereichert vor allem durch die Synthie-Motive des großartigen Pianisten und Keyboarders Michael Hornek, noch eine weitere außergewöhnliche individuelle Note.

Für viele ist dieses Konzert ganz offensichtlich ein Wiedersehen, und Klaus Doldinger hat gleich zu Beginn auch den richtigen verbalen Ton getroffen, als er an seine legendären Auftritte im Audimax erinnert und denkt: Na, da wart Ihr doch auch schon dabei! Dabei sind in der Passport-Formation in Aachen außer Michael Hornek, Ernst Ströer, Biboul Darouiche und Christian Lettner auch Patrick Scales (Bass) und Martin Scales (Gitarre).

Zugaben, Jubel, Freude. Das Theater als Jazz-Tempel, das sollte der Auftakt für ein schönes neues Format sein! Und noch etwas zum Schluss: „Der Greis ist heiß“, hat Udo Lindenberg, Klaus Doldingers ehemaliger Schlagzeuger, seinen Beitrag auf der Jubiläums-CD genannt. Falsch, Udo! Heiß: ja. Greis: eindeutig nein.