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Klaus Doldinger begeistert beim Konzert im Theater Aachen

Klaus Doldinger im Theater Aachen : Jazz-Meister in bester Spiellaune

Ein Leben in Deutschland ist beinahe unmöglich, ohne dabei mit der Musik von Klaus Doldinger in Kontakt zu kommen. Am Sonntagabend erlebten die Besucher im ausverkauften großen Saal des Theaters Aachen den 82-jährigen Meister in bester Spiellaune.

Ein Leben in Deutschland ist beinahe unmöglich, ohne dabei mit der Musik von Klaus Doldinger in Kontakt zu kommen. Rund 350 Stücke hat er allein für seine Jazz-Formation „Passport“ komponiert und die Filmmusik zu mehr als 130 Produktionen beigesteuert – darunter zahllose „Tatort“-Folgen und Filmklassiker wie „Das Boot“. Am Sonntagabend erlebten die Besucher im ausverkauften großen Saal des Theaters Aachen den 82-jährigen Meister in bester Spiellaune.

Man könnte es professionelle Spontanität nennen, was Doldinger und die sechs „Passport“-Mitglieder an musikalischer Finesse zeigten. „Es hat etwas mit Zauberei zu tun, was wir hier machen. Wir spielen zwar immer wieder dieselben Stücke, aber jedes Mal ein wenig anders“, beschrieb es Doldinger. Etwa dann, wenn er das Publikum mit dem Echostück „Antaraxia“ aus den 1970er Jahren auf eine geradezu träumerische Reise mitnimmt, um sie dann mit dem rasanten „Seven to Four“ wieder aufzurütteln.

Das geht nicht ohne die virtuosen Einsätze seiner Bandmitglieder, denen Doldinger sehr viel Raum zur eigenen Entfaltung lässt. Besonders Michael Hornek am Keyboard und die beiden Percussionisten Biboul Darouiche und Ernst Stöer glänzten mit ihren präzisen Einsätzen, die das Publikum regelmäßig mit Zwischenapplaus belohnte. „Es ist schön, dass es heute diese Möglichkeiten für junge Musiker gibt, sich zu präsentieren. Früher war das alles viel verschlossener“, sagte Doldinger sichtlich zufrieden.

Viel Spielraum für „Passport“

Immer wieder setzte er sich für einige Augenblicke etwas abseits, um die Bühne seinen Musikerkollegen zu überlassen. Denn auch Patrick Scales am Bass, Christian Lettner am Schlagzeug und Martin Scales an der Gitarre trugen mitunter ganze Passagen mit ihren Soli. Oft schnurrte die Formation wie ein präzises Musikgetriebe vor sich hin, bevor wieder jemand einen Ausfall wagte. Und da waren natürlich die Einsätze von Doldinger selbst, der etwa in „Dark Flame“ mit seinem charakteristischen Saxofon-Spiel die Stimmung zwischen Wehmut und Aufheiterung balancierte.

Diese kleinen Überraschungen sind es, die den Jazz ausmachen. Auch am Sonntag musste sich niemand vor oder auf der Bühne Sorgen machen, dass hier jemals trockene Routine einkehren könnte. Mit einigen Anekdoten zur früheren Jazz-Szene in Aachen endete das Konzert nach gut zweieinhalb Stunden, und Doldinger entließ ein geradezu euphorisches Publikum. Bis zu 60 solcher Auftritte spiele er noch immer pro Jahr, bemerkte der 82-Jährige schließlich. „Das reicht dann aber auch.“