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Aachen: „Kiss me, Kate” mit Lokal-Kolorit

Aachen : „Kiss me, Kate” mit Lokal-Kolorit

Der alltägliche Wirbel vor und hinter den Bühne - bei der Inszenierung von Cole Porters flottem Musical „Kiss me, Kate” (Premiere am 8. November) kann Generalintendant Paul Esterhazy endlich einmal das nutzen, was er ohnehin von früh bis spät erlebt.

Das Stück, uraufgeführt 1948, hat für ihn nichts an seiner Frische verloren, im Gegenteil. „Die Fassung, die wir spielen, ist ganz auf dieses Haus zugeschnitten”, verrät Esterhazy mit einem Schmunzeln.

„Da gibt es ein paar tolle Überraschungen, von denen ich aber jetzt noch nichts preisgebe.”

Rheinisches Flair ist angesagt, und das nimmt der Regisseur ernst bis hin zur letzten kleinen Rolle.

So sind die beiden Comedians Manni Hammers und Rudi Zins, Moderatoren der berühmten „Strunxsitzung”, als „Ganoven” mit von der Partie.

„Nicht nur, weil sie gute Darsteller mit absolut professioneller Bühnenpräsenz sind, sondern weil sie auch den richtigen rheinischen Zungenschlag mitbringen.”

Theater im Theater - ein geschickter Schachzug, den schon Cole Porter optimal zu nutzen wußte. Ein Ensemble will Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung” spielen, während im Privatleben gleichfalls die emotionalen Wogen hochschlagen.

Wie es sich gehört, gibt es in diesem Theater natürlich auch einen Intendanten. Hier spielt ihn der Bariton Hans Lydman. Hat er seinen Chef gut beobachtet?

„War gar nicht nötig, das ist mir alles sehr vertraut.” Und Esterhazy ergänzt: „Da gibt es so typische Sprüche, die hat er toll drauf.”

Zum Beispiel? „Der entsetzte Ausruf eines Intendanten: ,Jetzt nicht, weil sein Regieassistent immer gerade dann etwas will oder ihm etwas sagt, wenn er überhaupt keinen Nerv dafür hat.”

Esterhazy schöpft aus dem „realen Theater”, sucht jedoch die parodistische Überzeichnung und Brechung. „Zum Beispiel möchte ich an diesem Theaterleiter zeigen, wie ungut es ist, sich beim Publikum oder bei den eigenen Leuten anzubiedern. Ich glaube, was die aus dem Shakespeare machen, ist nicht besonders.”

Gleichzeitig setzt er auf Tempo, auf das Flair dieses noch immer jungen Stücks. „Wir haben eine Broadway-Version für ein relativ kleines Orchester ausgewählt. In Deutschland sind wir zusammen mit Bremen die Ersten, die sie spielen.”

Ist bei anderen Fassungen der Big-Band-Sound stärker, wird es in Aachen jazziger, prägnanter klingen.

Was „Kiss me, Kate” die Jugendlichkeit erhält „Die Geschichte stimmt einfach, das ist tolles Theater. Und es sind die Songs”, so der Regisseur. „Während man in anderen Musicals ein bis zwei Hits hat, sind es bei Cole Porter mindestens acht.”

Von den Akteuren wird viel verlangt - sprechen, tanzen, singen. „Zum Glück ist der Chor sehr beweglich, da sind ein paar richtige Tanzmäuse dabei.”

Und was er in den letzten sechs Wochen erneut festgestellt hat: „Das Musical ist wirklich die schwierigste Gattung im Theater, denn da gilt es, alle Elemente zu vereinen, muss ein perfektes Timing klappen, sonst funktioniert keine Pointe.”