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On-Demand-Angebote: Kinos von zu Hause aus unterstützen

On-Demand-Angebote : Kinos von zu Hause aus unterstützen

Die Corona-Krise trifft auch die Kinobranche hart. In vielen Ländern müssen die Filmtheater geschlossen bleiben, oft für mehrere Wochen oder sogar Monate. Das bedroht weltweit die Existenz vieler Kinos. Nach dem ersten Schock gibt es nun aber auch erste Initiativen, wie neue Filme trotz abgesagter Kinostarts noch ihr Publikum finden können.

Einen Kinofilm online gucken und so gleichzeitig die Independent-Kinos in Deutschland unterstützen – das machen gerade einige Anbieter möglich. In Aachen kann etwa das Apollo-Kino durch das bereits etablierte Angebot „Kino on Demand“ unterstützt werden. Für jeden neu angemeldeten Kunden (ohne Abo), der Filme streamt, gehen bis zum 31. März fünf Euro an ein selbst ausgewähltes Kino. Das ist finanziell nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein, aber moralisch eine Unterstützung.

Gleichzeitig erhält jeder Kunde beim ersten und bei jedem fünften Filmabruf einen Kino-Gutschein – so dass der Anreiz besteht, nach der Krise wieder das lokale Kino zu besuchen. Hans-Peter Coenen, einer der Apollo-Eigentümer, weist darauf hin, dass Kinos selbst jetzt vermehrt Gutscheine für die Zeit nach der Corona-Epidemie verkaufen, um überhaupt Einkünfte zu erzielen.

Das von Köln aus gestartete und mittlerweile international laufende Angebot von „Kino on Demand“ trumpft mit hochwertigen und besonders sehenswerten Filmen auf. Dort gibt es unter 300 Filmen ein Extra-Programm für Kinder oder einen „Film-Marathon in Quarantäne“ mit ausgewählt guten Arthaus-Filmen wie der Arbeiter-Romanze „In den Gängen“, dem Drogen-Drama „Beautiful Boy“, dem iranischen Festival-Hit „The Salesman“ von Asghar Farhadi, dem Klassiker „Apocalypse Now“ oder aus Anlass des Todes von Max von Sydow Ingmar Bergmans „Das siebente Siegel“.

4,99 Euro beträgt in der Regel der Leihpreis. Aus unserer Region sind neben dem Apollo das Aachener Eden, die Cineplex-Kinos in Aachen und Alsdorf, das Dürener Lumen und das Erkelenzer Gloria dabei.

Das Maastrichter Lumière

In den Niederlanden und in Italien findet man das Angebot schon erweitert: Das Maastrichter Kino Lumière leitete zum Beispiel eine Kino-on-Demand-Premiere des Liebesdramas „Jumbo“ mit einer Live-Einführung über Facebook ein und schloss danach eine Online-Diskussion an.

Das Mailänder Cinema Beltrade, gelegen in der roten Sperrzone, interviewte diese Woche live über Facebook den Regisseur Andrea Caccia, dessen Film „Tutto l’oro che c’è“ („Gold is all there is“) danach gegen Gebühr gestreamt wurde.

Streamingangebote werden normalerweise zwar als Konkurrenz zu den Kinos angesehen, doch nun soll genau so einigen Filmtheatern zumindest ein bisschen geholfen werden. Eine Variante ist „Grandfilm On Demand“, wo aktuelle Werke wie „Félicité“ oder das 14-stündige „La Flor“ aus Argentinien gegen eine Gebühr über die Plattform abrufbar sind. Die Hälfte dieser Einnahmen soll an die Kinos gehen, welche die Filme normalerweise zeigen würden. Der Verleiher Grandfilm organisierte diese Aktion und freut sich eigenen Angaben zufolge bereits über eine positive Resonanz.

Auch der Eksystent-Filmverleih zog den für April geplanten Kinostart für „Isadoras Kinder“ vor und bietet ihn nun über die Plattform „Kino on Demand“ an. „In Zeiten wie diesen heißt es noch viel mehr, dass uns nur Zusammenhalt durch diese Krise bringen kann“, hieß es in einer Mitteilung, laut der ein Teil der Einnahmen ebenfalls an teilnehmende Kinos verteilt wird. Das Drama „Isadoras Kinder“, inspiriert vom Schicksal der US-amerikanischen Tänzerin und Choreografin Isadora Duncan, wurde beim Filmfest Locarno für die beste Regie ausgezeichnet.

Locarno verlinkt eigene Hits

Locarno selbst, dessen Präsident Marco Solari übrigens gerade eine schwere Corona-Erkrankung überstanden hat, informiert mit einer verlinkten Liste eigener Hits bei verschiedenen Streaming-Anbietern und Mediatheken.

Schon vor der Krisenzeit war Mubi eine Schatzkiste für Qualitätsfilm mit Klassikern wie Chaplins „Der große Diktator“, alten Lars-von-Trier-Filmen oder Meisterwerken von Jacques Tati. Die App für Mubi ist neben dem Browser-Zugang auch auf allen gängigen Plattformen verfügbar.

Für Anime-Fans, die etablierte Angebote im Kino nicht nutzen können, gibt es bei Kazé-Anime ein „Anime Nights Virtual Ticket“ mit zahlreichen Zusatzangeboten wie einem Zugriff auf den gesamten Anime-Katalog.

In den USA gibt es ein vergleichbares Angebot: Auch dort trifft kleinere Programmkinos die Schließung der Filmtheater besonders hart. Die „Theatrical at Home“­Vermarktungsidee soll Abhilfe schaffen: Zuschauer kaufen auf der Kinowebseite ihrer Wahl ein Ticket für 6,50 Dollar, im Gegenzug erhalten sie einen Link, um den Film zu Hause auf dem Computer oder auf anderen Geräten zu sehen. Die Hälfte des Eintrittsgeldes fließt in die Kasse des Programmkinos. Den Auftakt machte die Independent-Komödie „Phoenix, Oregon“, die am vergangenen Freitag in kleineren US-Kinos anlaufen sollte.