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Aachen: „Kinderliebe kann man nicht verordnen”

Aachen : „Kinderliebe kann man nicht verordnen”

Beim traditionellen Neujahrskonzert des Sinfonieorchesters Aachen im Eurogress war diesmal Winfried Pilz, der Präsident des „Päpstlichen Missionswerks der Kinder - Die Sternsinger” der „Zwischenrufer”. Auf dem Programm stand Beethovens Neunte Symphonie mit der eindrucksvollen Vertonung von Schillers „Ode an die Freude” im vierten Satz.

Bunter Reigen

Getreu dem Motto „Alle Menschen werden Brüder” lieferte der Ratzinger-Schüler Pilz frei sprechend einen bunten Reigen aus ironischen Bonmots und nachdenklichen Sequenzen. Ob Schiller im Zeichen der heute herrschenden politischen Korrektheit noch von „Brüdern” hätte schreiben dürfen? Immerhin seien in den vergangenen Jahren Heerscharen katholischer Seniorenvereine mit Schere und Kleber bewaffnet am Werk gewesen, die Zeichen männlicher Dominanz in den Gesangbüchern mit geschlechtsneutralen Begriffen zu überkleben.

Aber auch Nachdenkliches war Thema. Tausende Kinder erblicken täglich das Licht der Welt, die meisten davon in Hunger, Elend und Unsicherheit. In Christi Geburtsstadt Bethlehem habe man erst kürzlich ein Kind im Müll gefunden. Dabei sei ein Kind der „Kuss der ganzen Welt”, wie die biblische Geschichte um den Simeon zeigt. Nachdem er das Jesuskind gesehen hat, sagte er: „Nun lässt du deinen Knecht in Frieden scheiden, denn meine Augen haben das Heil gesehen”. Das Engagement für die armen Kinder in der Dritten Welt und bei uns könne man nicht gesetzlich festlegen, es müsse aus dem Herzen wachsen.

Musikalisch zeigten der Sinfonische Chor Aachen, der Opernchor, der Chor „vocapella” und das Sinfonieorchester eine beeindruckende Leistung. Dirigent Marcus R. Bosch hatte sein Orchester gut im Griff und schaffte es bis zum Finale, die Spannung in diesem auch für Vollprofis schwierigen Werk aufrechtzuhalten. Marcus R. Bosch ist es gelungen, aus dem Orchester eine Einheit zu schmieden und eine hervorragende Zusammenarbeit zu erreichen.

Das Publikum würdigte das exzellente Zusammenspiel von Dirigent, Orchester, den Chören und den Solisten Irina Popova (Sopran), M?lanie Forgeron (Mezzosopran), Norbert Schmittberg (Tenor) und Woong-jo Choi (Bariton) mit minutenlangem Applaus.

Wer es in der Silvesternacht nicht geschafft hat, bekam nach dem Konzert noch Gelegenheit mit geponsertem Sekt mit den Musikern auf ein gelungenes Konzert und ein gutes Jahr 2007 anzustoßen.