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Kerkrade: Kerkrade kämpft gegen Einwohnerschwund

Kerkrade : Kerkrade kämpft gegen Einwohnerschwund

Die Zeiten, in denen der Südzipfel der Niederlande für Deutsche eine gute Adresse für den Häuschenkauf war, sind noch gar nicht so lange her. Vor allem grenznahe Städte wie Kerkrade bei Aachen profitierten davon.

Mancher Einheimischer stöhnte sogar, die Deutschen machten die Preise kaputt. Diese Hoch-Zeiten sind vorbei. Nun herrscht, wie auch in anderen südlimburgischen Grenzgemeinden, so etwas wie Ausverkauf in Kerkrade. An auffallend vielen Einfamilienhäusern steht das Schild „Te koop” (zu verkaufen). Etwa jedes zwölfte Privathaus steht zum Verkauf.

Das niederländische Grenzstädtchen mit 50.000 Einwohnern schrumpft. Jahr für Jahr verliert es nach eigenen Angaben 400 bis 500 Einwohner. Das macht sich deutlich auf dem Immobilienmarkt bemerkbar: Es gibt zu viele Häuser. „Wir haben die niedrigsten Preise für Häuser in ganz Holland. In Amsterdam sind die Häuser dreifach so teuer wie hier”, sagt Jo Thoenissen vom Amt für Wohnen.

Trotz der im Landesvergleich günstigen Angebote läuft der Verkauf zäh. Der Deutsche Günther Bludau kann ein Liedchen davon singen. Vor zwölf Jahren suchte er ein Haus für drei Generationen. „Ein so großes Haus war in Deutschland nicht erschwinglich”, erzählt er. Er kaufte im Nachbarland. Nun will die Familie wieder nach Deutschland ziehen, weil der Schwiegersohn dort ein Haus geerbt hat. Seit sieben Monaten sucht er einen Käufer.

Kerkrade und auch sieben Nachbarkommunen des ehemaligen Bergbaureviers haben ein zweifaches Strukturproblem. In den 70er Jahren wurden die Steinkohlezechen in Südlimburg geschlossen. Davon hat sich die Region nicht richtig erholt, trotz des Wandels zur Tourismus- und Dienstleistungsregion.

Es gibt zu wenig Arbeit. „Viele junge Leute ziehen weg. Andere studieren und kommen nicht wieder”, sagte Thoenissen. Es bleiben die Älteren. Vor allem sie wollen ihr Haus verkaufen und in altersgerechte Wohnungen einziehen.

Die Kleinstadt stemmt sich mit einer neuen Strategie gegen das langsame Sterben. Die Weichen sind gestellt zu mehr Klasse statt Masse beim Wohnen. Langfristig sollen vier große Wohnblöcke mit insgesamt 400 Wohnungen abgerissen werden. „Es gibt eine große Diskussion, wo das Geld herkommen soll”, sagt Thoenissen. Er geht davon aus, dass auch noch mehr Häuser in der Stadt abgerissen werden. Stattdessen sollen Häuser mit hoher Wohnqualität entstehen, in denen man auch im Alter leben kann. Natürlich gibt es auch Bemühungen Unternehmen anzusiedeln, damit auch wieder junge Menschen in die Region kommen.

Trotzdem sind die Immobilien-Preise in der Region nicht im Keller. „Die Leute warten lieber, als ihr Haus unter Preis zu verkaufen”, beobachtet Ron Smeets, Makler bei einem der größten Immobilienfirmen in Südlimburg. Auch er stellt fest, dass die Deutschen auf dem Markt kaum mehr eine Rolle spielen. „Die Deutschen ziehen wieder mehr nach Deutschland. Die Wohnungen und der Grund sind billiger.” Das locke auch Niederländer an. „Auch Niederländer ziehen nach Deutschland.”

Günther Bludau will noch bis Oktober durchhalten und nach einem Käufer suchen. Es wäre für ihn keine Katastrophe, wenn es nicht klappt. Er lebt gerne in Kerkrade. Seine Stammkneipe ist ein paar Häuser weiter, die Nachbarn sind gelassen und freundlich. Und wenn die Niederländer bei der Europameisterschaft nicht gerade gegen die Deutschen spielen, dann ist er eingefleischter Oranje-Fan.