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Düsseldorf/Bonn: Keiner geht noch: „Tolle Tage” ohne Alkohol am Steuer

Düsseldorf/Bonn : Keiner geht noch: „Tolle Tage” ohne Alkohol am Steuer

Alkohol und Karnevalszeit sind zwei Dinge, die sich wohl niemals trennen lassen: Nicht nur in den Karnevalshochburgen gehört Hochprozentiges während der „Tollen Tagen” zum Feiern. Problematisch wird die Sache aber spätestens dann, wenn die Fahrt von oder zu der Party mit dem Auto absolviert werden soll.

Daher wird in der Karnevalssaison vor der gefährlichen Kombination aus Alkohol und Teilnahme am Straßenverkehr gewarnt. Selbstverständlich sind intensive Polizeikontrollen und eine stattliche Zahl dabei eingezogener Führerscheine.

Obwohl die Zahl der Alkoholunfälle in Deutschland zurückgeht, ist dieser Trend in der Karnevalszeit nicht festzustellen. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden zeigen eine eindeutige Tendenz: Wurden im Jahr 1996 noch 34.468 Alkoholunfälle mit Personenschaden erfasst, sank die Zahl bis zum Jahr 2000 auf 27.375. Im Jahr 2005 erreichte diese Quote ihren den bisherigen Tiefstand von 22.004.

Die Zahl der bei solchen Unfällen Getöteten hat sich mehr als halbiert: Von 1472 im Jahr 1996 auf 603 im Jahr 2005.

Für die Karnevalszeiten gibt es zwar keine bundesweiten Statistiken, Zahlen aus den Hochburgen des jecken Feierns machen jedoch deutlich, dass die Entwicklung nicht der allgemeinen Tendenz folgt. „Man kann von den Zahlen keinen allgemeinen Trend ablesen”, sagt Wolfgang Beus, Sprecher des Innenministeriums von Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf.

Tatsächlich gibt es ein regelmäßiges Auf und Ab bei den registrierten Fällen. So meldeten die Statistiker in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2004 für die Karnevalszeit einen positive Entwicklung im Hinblick auf die Verkehrstoten: Fünf getötete Menschen bei schweren Verkehrsunfällen, das waren neun weniger als noch im Jahr 2003.

Im Jahr 2006 sah die Bilanz dagegen wieder ganz anders aus: „Von Altweiber bis zum heutigen Aschermittwoch starben in Nordrhein-Westfalen 13 Menschen bei Unfällen. Dies ist einer mehr als 2005”, gab das Innenministerium am 1. März bekannt. Mehr noch: Sieben der getöteten Autofahrer hatten Alkohol getrunken.

Bemerkenswert war in der Bilanz 2006 auch die Zahl der bei Kontrollen ertappten Verdachtsfälle. Landesweit wurden von der Polizei 89 537 Autofahrer bei Kontrollen gestoppt. Bei 19.216 bestand zumindest der Verdacht, dass sie Alkohol getrunken hatten.

Experten stellen sich allerdings die Frage, wie aussagekräftig derartige Kontrollstatistiken sind. „Das Paradoxe ist, dass die Ergebnisse solcher verstärkten Kontrollen nicht ausgewertet werden können, weil man keinen Vergleich hat”, erklärt Alfred Fuhr, Verkehrssoziologe des Automobilclubs von Deutschland (AvD) in Frankfurt/Main. Denn außerhalb der Karnevalszeit wird eben wesentlich weniger kontrolliert.

Hinzu kommt, dass gewohnheitsmäßige Trunkenheitsfahrer in den Karnevalsstatistiken wohl gar nicht auftauchen. „Die Polizei weiß, dass sie nicht den harten Kern trifft”, sagt Fuhr. Gerade solche Autofahrer sind durch die Ankündigungen großräumiger Kontrollen vorgewarnt. „Wer gewohnheitsmäßig trinkt, passt wegen der Kontrolldichte auch auf.”

Erwischt wird laut Alfred Fuhr dagegen jene Gruppe von Karnevalisten, die sonst vermutlich kaum Alkoholgenuss und Autofahren miteinander verbindet. „Bei den Schwerpunktkontrollen stößt man eher auf jene Leute, die einfach einmal einen Fehler gemacht haben”, sagt der Verkehrssoziologe. „Gerade während der Karnevalszeit ist der Gruppendruck nicht zu unterschätzen.” Wenn alle trinken, fällt es manchem schwer, seine Abstinenz durchzuhalten, weil er sich sonst für sein Anderssein rechtfertigen müsste.

Gefragt ist daher nach Ansicht der Experten während des Feierns Prinzipientreue. „Der Spaß hört bei beim Alkohol im Straßenverkehr einfach auf”, sagt Sven Rademacher vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn. „Auch in der jecken Zeit herrscht für Autofahrer keine Narrenfreiheit.”

„Außerdem kommen speziell in der Karnevalszeit im Februar viele unterschiedliche Gefahren zusammen”, warnt Sven Rademacher. Allein schon die früh einsetzende Dunkelheit erhöht das Risiko, hinzu kommt eine oft schlechte Sicht durch Nebel oder Regen und dann herrschen womöglich auch noch winterliche Straßenverhältnisse mit Glätte. „Hat der Fahrer dann beispielsweise auch noch den so genannten Tunnelblick durch den Alkoholgenuss, ist dies ein äußerst schlimmer Gefahrenmix.”

Aufpassen müssen aber auch nüchterne Autofahrer: „Nicht zu unterschätzen sind die Gefahren durch das Verhalten alkoholisierter Fußgänger”, erklärt Sven Rademacher. Es gilt also, vorausschauend und bremsbereit unterwegs zu sein - so mancher Betrunkene kann stolpernd oder taumelnd vom Gehweg auf die Fahrbahn geraten.

Wer dann - wie auch immer - trotz gewisser Alkoholmengen im Blut heil im eigenen Bett angekommen ist, darf sich am kommenden Morgen immer noch nicht sorglos hinter das Lenkrad setzen. Der Alkohol geht zwar relativ schnell in den Kopf, aber nur langsam wieder aus dem Körper. Die Polizei kontrolliert deshalb auch nach Tagesanbruch weiter.