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Berlin: Keine „Sippenhaft” für Kunst

Berlin : Keine „Sippenhaft” für Kunst

Werke der Kunstsammlung des Milliardärs Friedrich Christian Flick, die künftig ihr Domizil in Berlin hat, werden erstmals im Frühjahr 2004 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Der in der Schweiz lebende 58-jährige Flick-Erbe sowie der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, haben einen entsprechenden, zunächst auf sieben Jahre befristeten Leihvertrag unterzeichnet.

Die Flick Collection umfasst rund 2500 Arbeiten vorwiegend der Gegenwartskunst von 150 Künstlern. Als Ausstellungsort steht eine einstige Speditionshalle unmittelbar neben dem Museum für Gegenwart - Hamburger Bahnhof bereit. Die Umbaukosten bezahlt Flick.

„Der Kunsttransfer nach Berlin ist ein Glücksfall”, sagte Kulturstaatsministerin Christina Weiss, Vorsitzende des Stiftungsrates der Preußen-Stiftung.

Eine „Konvergenz” von Verbrechen während des Nationalsozialismus und der Sammlung verbiete sich. Kunst, die sich einmische, dürfe nicht in „Sippenhaft” genommen werden. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sprach von einem „guten Tag für Berlin und die ganze Bundesrepublik”.

Eine zunächst geplante Übergabe der Sammlung an die Stadt Zürich war nach einem Streit wegen des Ursprungs des Flick-Vermögens gescheitert. Als einer der größten deutschen Rüstungsproduzenten pflegte Flicks Großvater Friedrich während der NS-Zeit enge Beziehungen zu den damaligen Machthabern.

Flick-Enkel Friedrich Christian schloss jedoch für sich eine Beteiligung am deutschen Entschädigungsfonds für NS-Zwangsarbeiter aus. Gleichzeitig gründete er vor zwei Jahren in Potsdam eine Stiftung zur Förderung von Zivilcourage gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz mit seinerzeit zehn Millionen Mark.

Entscheidung soll keine Rache an Zürich sein

Die Entscheidung für Berlin sei „keine Rache an Zürich”, meinte Flick. Seine Kunstleidenschaft umschrieb er mit den Worten: „Gegenwart atmen.” Die Sammlung sei nicht dazu da, um seine „Familiengeschichte aufzuwerten”.

Der Auftaktschau „Flick Collection im Hamburger Bahnhof” sollen weitere zehn Wechselausstellungen folgen. Das Herzstück der Sammlung bilden Hunderte von Werken von Bruce Nauman.

Hinzu kommen unter anderem Werkblöcke von Andy Warhol, Sigmar Polke, Gerhard Richter und Nam June Paik. Berlins Kunstexperten rühmten die Sammlung für ihren „geradezu enzyklopädischen Charakter” zur Kunst seit 1960.