1. Kultur

Hagen: Keine Beweise für Mobbing auf dem Revier

Hagen : Keine Beweise für Mobbing auf dem Revier

Mit Freisprüchen ist gestern vor dem Hagener Amtsgericht ein Mobbing-Prozess gegen vier Polizisten und eine Polizeibeamtin zu Ende gegangen.

Die Staatsanwaltschaft hatte den 29 bis 38 Jahre alten Angeklagten vorgeworfen, eine 28-jährige Beamtin vor rund dreieinhalb Jahren in ihrer Hagener Dienstelle mit Handschellen gefesselt und an einen Kleiderhaken gehängt zu haben. Diesen Haken sollen sie als „Frauenparkplatz” bezeichnet haben. An der Schilderung der 28-Jährigen hatten die Richter allerdings Zweifel.

Kein genauer Tatzeitraum

„Es ist schwer festzustellen, was damals überhaupt geschehen ist”, hieß es in der Urteilsbegründung. Das hänge vor allem mit dem langen Zeitablauf zusammen. Die Beamtin hatte erst im April 2002 Anzeige erstattet und keinen genauen Tatzeitraum mehr benennen können. Die Zeugin müsse sich daher den Vorwurf gefallen lassen, dass sie selber dazu beigetragen habe, den Strafprozess mit Problemen zu überfrachten, hieß es im Urteil.

Das Gericht wollte allerdings nicht ausschließen, dass die 28- Jährige in der Hagener Polizeiinspektion Süd nicht immer mit gebührendem Respekt behandelt worden sei und das Verhalten ihrer Kollegen als Mobbing empfunden habe.

Zahlreiche Ungereimtheiten

Trotzdem gebe es zahlreiche Ungereimtheiten. Dazu zähle laut Urteil auch, dass die Frau nach der angeblichen Tat mit zwei Angeklagten in den Urlaub gefahren sei. Unklar sei auch, ob die Anzeige nicht doch mit einer schlechten dienstlichen Bewertung in Zusammenhang gestanden habe, die die heute 28-Jährige im Oktober 2000 erhalten habe.

Vorwürfe bestritten

Die Beamtin hatte im Prozess von psychischen Grausamkeiten gesprochen. Die Angeklagten hingegen hatten die Vorwürfe bestritten und ansonsten von ihrem Schweigerecht Gebrauch gemacht. Die Staatsanwältin hatte wegen Körperverletzung Bewährungsstrafen zwischen acht und zehn Monaten Haft sowie in zwei Fällen Geldstrafen beantragt.

Der ursprüngliche Vorwurf, der auf Körperverletzung im Amt gelautet hatte, war vom Gericht nicht zugelassen worden. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Kritischer Polizisten hat gegen den Vorsitzenden Richter, Michael Brass, deshalb Strafanzeige wegen des Verdachts der Rechtsbeugung und Strafvereitelung im Amt gestellt. Der Nebenklagevertreter will die Freisprüche in der Berufung anfechten.