Köln: Keck, verträumt und stimmstark: Patricia Kaas

Köln: Keck, verträumt und stimmstark: Patricia Kaas

So oder ähnlich muss es sich angehört haben, als der Teenager aus dem lothringischen Grenzstädtchen Forbach Samstagabends im Saarbrücker Nachtlokal „Rumpelkammer” Lieder von ihren Vorbildern Piaf, Streisand und Minnelli ins Mikrofon röhrte.

Zwanzig Jahre, 18 Millionen verkaufte Tonträger und mehrere tausend Konzerte später erinnert das Programm der gereiften Chansonsängerin Patricia Kaas an ihre Anfänge. Auch wenn sie sich nach eigener Aussage in der ausverkauften Kölner Philharmonie mit dem aktuellen Album „Kabaret” der Tradition der 30er Jahre angeschlossen hat, so schimmert doch viel Autobiografisches durch.

Das neue Material, das unter anderem mit Coverversionen von Dietrich- und Knef-Titeln („Falling in love again”, „Wo sind die Clowns”) aufwartet, überzeugt auch durch die liebevoll werktreu gehaltenen Arrangements der Epoche. Verträumte, noch unbekanntere Titel wie „Une derniére fois”, mit dem Kaas ihr Heimatland Frankreich beim diesjährigen Song Contest vertreten wird, finden Zustimmung.

Ovationen der Fangemeinde

Wenn Kaas jedoch zu ihren älteren Hits wie „DAllemagne”,” Mon mec à moi”, „Je voudrais la connaitre” oder Jean-Jacques Goldmans „Une fille de lest” greift, spätestens dann sind ihr die Ovationen der vollzählig versammelten Fangemeinde sicher.

Das aufwendige und das Milieu der Chansons unterstützende Bühnenbild ist irgendwo zwischen Pariser Pigalle und Max Raabe angesiedelt, Filmprojektionen aus der Hochzeit des Cabarets sorgen für den adäquaten Rahmen. Weitgehend in Schwarzweiß gehalten kommt dieser Abend wohltuend ohne ablenkenden Firlefanz aus. Ein üppiger Kronleuchter, eine schachbrettgemusterte Bühne und dem schlichten Dekor angepasste Kostüme. Mehr braucht Mademoiselle nicht, um zu überzeugen.

Überraschend gelungene Choreographien, eine souverän begleitende Band und das immer wieder erstaunliche Stimmvolumen der Deutschfranzösin mit dem kecken Pagenkopf ziehen sich durch das konsequent verfolgte Konzept.

Nur manchmal täte im präzise kalkulierten Ablauf des knapp zweistündigen Konzerts ein Hauch mehr Improvisation, ein Fünkchen Spontaneität gut. Ganz so, wie es damals gewesen sein muss, zu Beginn einer Weltkarriere, in der Rumpelkammer.