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Köln: Keane: Bitter-süße Sehnsucht nach Liebe

Köln : Keane: Bitter-süße Sehnsucht nach Liebe

Es gibt Musik, die möchte man alleine hören. Dann will man sich ein Haus aus Weltschmerz bauen, den Schuhkarton mit alten Liebesbriefen rauskramen, mit Inbrunst seinen Erinnerungen nachhängen und voller Wehmut an all die verpassten Chancen denken.

Die Musik der englischen Band Keane gehört eindeutig in diese Kategorie. Am Samstag spielten die melancholischen Jungs in Köln. Mit dem Alleinsein wars aber natürlich nichts. Im Gegenteil musste das Konzert zwei Mal verlegt werden, bis letztlich alle 3500 Fans im „Palladium” Platz fanden.

Was diese dann zu hören bekamen, ist jedoch das Eindringlichste, was seit Coldplay von der Insel kam. Dabei mögen die Musiker den immer wieder bemühten Vergleich überhaupt nicht, fühlen sich vielmehr inspiriert von Blur und Oasis. Dass man darauf nicht gleich kommt, mag daran liegen, dass Keane ohne einen Gitarristen auskommt. Für echte Leidenschaft braucht es diesen ganz offensichtlich nicht.

Was mag so jungen Menschen schon alles zugestoßen sein, wie oft wurden sie verlassen, damit sie so überzeugend die Leidenden geben können. „She has no time” heißen die Songs etwa oder „Somewhere only we know”, in dem sich Frontman Tom Chaplin an all die Dinge erinnert, die niemand verstehen würde - außer die ehemalige große Liebe.

Der Song ist Keans bislang größter Hit, denn bei aller Schwermut, hat ihre Musik nichts Quälendes. Es sind kleine Mutmacher, dreieinhalb Minuten lang, emotional und bezaubernd. Es sind Bekenntnisse zum ganz großen Gefühl in kleiner Besetzung.

Dass die Band dabei nie Gefahr läuft, ins Seichte abzugleiten, verdankt sie nicht nur den ausgereiften Kompositionen. Tim Rice-Oxley am Piano verleiht den Balladen eine außergewöhnliche Dynamik und auch Schlagzeuger Richard Hughes spielt ungemein druckvoll.

Dabei wirkt dieser zeitweilig derart weggetreten, dass man sich ein wenig Sorgen um ihn macht. Über allem jedoch schwebt die Stimme, diese Stimme, „in die ich mich verliebt habe”, wie Fan Sandra aus Goch hinterher gesteht.

Keane - das ist in der Tat vor allem das flehend hohe Timbre Chaplins, der auch live jeden Ton trifft. So bleibt das Konzert zwar recht überraschungsfrei, weil alles genauso eintritt, wie man es von der CD kennt.

Doch was macht das schon, wenn die Band mit Stücken aufwarten kann wie „This is the last time” oder „Bend and break”, das zwar nie eine Single wurde, aber alle Qualitäten von Keane vereint: Zuckersüße Melodie über treibendem Beat, fein arrangiert und mit großer Geste vorgetragen. Der perfekte Popsong.

Dass die Band ihren Standard nicht wird halten können, diese Sorge scheint zudem unbegründet. Zwei Stücke vom neuen Album, das im Herbst erscheinen soll, passten sich nahtlos ein ins berührende Gesamtwerk. Sie könne es kaum erwarten, bis die zweite CD im Laden stehe, schwärmt Svenja aus Neuss. Und nicht nur sie ist sich sicher: Hier wächst nicht Großes heran. Es ist da.