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Aachen: Katzen für Tierversuche statt Schuhe für Brasilien?

Aachen : Katzen für Tierversuche statt Schuhe für Brasilien?

Man findet sie in Einfahrten, Vorgärten und in Hauseingängen. Aufgetaucht sind die Wäschekörbe schon in der Eifel, in Aachen, Jülich und in Stolberg. Altkleider und Schuhe soll man hineinlegen, die von dem Frankfurter Verein „Club für Behinderte in Brasilien” eingesammelt werden.

Nur überall wo diese Körbe auftauchen, wird der Vorwurf laut, dass Katzen aus den Wohnvierteln verschwinden und dass dieser Schwund in direktem Zusammenhang mit den Wäschekörben steht. Die seien nur ein Vorwand für Tierfänger sich dort aufzuhalten. Tatsächlich würden sie Katzen mit Lockstoffen ködern und sie dann in einen Lieferwagen ziehen.

Diesen Verdacht hat auch Silke Lauscher aus Kesternich. „Unser Kater ist genau in der Woche verschwunden, in der die Körbe aufgestellt waren”, erklärt sie. Und nicht nur ihre Katze sei verschwunden, auch andere Samtpfoten aus Simmerath, Roetgen und Hürtgenwald seien fort, alle in den letzten Wochen. Und mit diesem Vorwurf steht sie nicht alleine da: Gibt man im Internet den Namen des Clubs ein, erscheinen auffallend viele Seiten von Suchdiensten und Tierschützern. Von Hamburg bis Passau warnen Tierschützer vor dem Club.

Michael Likar kennt diese Vorwürfe zu Genüge. Er ist der erste Vorsitzende des bundesweit tätigen Clubs für Behinderte in Brasilien. „Seit fünf Jahren haben wir damit Probleme, aber das sind Märchen”, versichert er. „Außerdem”, fragt er, „welches Motiv soll ich denn haben, Katzen zu klauen? Wir arbeiten ganz normal, 18 Leute sind für uns beschäftigt. Es ist eine gute Sache.”

Das fehlende Motiv sieht auch Andrea Thümmel von „Tasso”, einem Verein, bei dem man sein Haustier registrieren lassen kann. „Der Vorwurf lautet, dass man sie an Versuchslabore verkauft. Doch die brauchen für Vergleichszwecken homogene Gruppen von Tieren”, so die Pressesprecherin. Und auch den Vorwurf, dass die Tiere ihrer Felle wegen nach Osteuropa gebracht würden, hält sie für zweifelhaft.

„Es wäre einfacher dort die Tiere zu stehlen.” Silke Lauscher hat jedenfalls Anzeige erstattet. „Ein Anfangsverdacht liegt vor. Doch ob die Altkleidersammlung tatsächlich in Verbindung mit dem Verschwinden der Katzen steht, kann sein, muss aber nicht”, sagt die Polizei in Aachen.