Köln: Katy Perry startet in Köln mit kunterbuntem Konzert ihre Europatour

Köln : Katy Perry startet in Köln mit kunterbuntem Konzert ihre Europatour

Die Zeiten, in denen Katy Perry Girls kisste und Taylor Swift disste, sind vorbei. Dafür hat sie jüngst Meghan Markles Hochzeitskleid bemäkelt — und jetzt ihre Tour durch Europa mit einem sehr, sehr schönen Konzert in Köln eröffnet.

Weil Katy Perry (33) ein sogenanntes It-Girl ist (eine junge Frau, die ständig für neue Aufreger sorgt, die darob in den Medien heiß diskutiert werden), muss man die ersten drei Punkte natürlich erwähnen. Sollte sie aber, gegenüber Punkt vier, dem sehr, sehr schönen Konzert, keineswegs überbewerten.

15.000 Menschen erleben am Mittwochabend in der Lanxess-Arena Perrys Europatour-Auftakt als ein mit überbordender Fantasie inszeniertes Konzertschauspiel. „Witness“ (Zeuge), der Titel des letzten Albums vom Juni 2017, steht Pate für eine grandiose zweistündige Show. Zeugen sind Beobachter. Sie werden hier aber auch beobachtet: von der Nahaufnahme eines Auges auf der Leinwand, dessen Pupille sich stetig weitet und wieder verengt. So beginnt das Konzert — und es endet mit Luftballons in Form von Augäpfeln. Dazwischen legt Perry Zeugnis über ihren Werdegang ab.

Es wird ein atemberaubender Ritt durch den knallbunten Perryschen Kosmos. In den sie, nach rasanter Kamerafahrt durch den Broadway der Galaxien, in einem Sternentransporter einschwebt. Gewandet ganz in Gold, wie eine Kreuzung aus Jeanne de_SSRqArcs Armierung und Anleihen bei Jean Paul Gaultier. Bei „Roulette“ wird die Bühne, mit sich drehender Scheibe und gigantischen Würfeln, zum Spielkasino, retrospektiv blinken, zum dazu passenden älteren Song, die Wörter „Hot“ und „Cold“ von ihrem Bustier.

Auch das Mädchen-Küssen wird (als Hit unverzichtbar) zitiert, umarrangiert und die Sängerin am Ende in einem XXL-Mund abtauchen lassend. „California Gurls“ goutieren Kassetten und Cocktails, sehr niedlich wird es, wenn sich Perry mit einem blauen Plüschhai duelliert, wobei die „Waffe“ ein übergroßes Boden-Piano ist, das mit Füßen gespielt wird. Zu den poetischsten Momenten zählt „Wide Awake“: Leuchtende Planeten schweben im Raum, derweil die Sängerin dazwischen auf einer Saturnscheibe dahingleitet und auf den Rängen die Taschenlampen der Handy sternengleich blinken.

Sicher, einiges könnte man auch lächerlich finden. Wie etwa die Berieselung der Protagonistin mit Glimmer aus überdimensionierten Salz- und Pfefferstreuern („Bon Appétit“). Oder den Stangentanz am Rosenstiel, den Perry nur andeutet, um ihn dann einem Akrobaten zu überlassen („Déjà vu“). Oder die von Latex in Pink, Gelb und Orange dominierten Kostüme der Tänzerinnen, die Herzen, Fernseher und eine Art quietschgelbe Glühlampe auf den Köpfen tragen müssen, wobei sie wie Zeichentrickfiguren agieren.

Aber auch die Übertreibung, das Surreale, das Comicartige gehören dazu. Zu diesem Künstlerleben. Wir können es bezeugen.