1. Kultur

München: Kathedrale des Lichts konkurriert mit den bedeutendsten Museen der Welt

München : Kathedrale des Lichts konkurriert mit den bedeutendsten Museen der Welt

Deutschlands größter Museumsneubau wird am Montag in München eröffnet: Die Pinakothek der Moderne stellt eine herausragende Kombination von Architektur, Grafik, Design und moderner Kunst dar.

Die Baukosten betrugen 121 Millionen Euro, 10 Prozent davon kamen von privater Seite. Der bayerische Kunstminister Hans Zehetmair (CSU) spricht auch mit Blick auf das fast 100-jährige Ringen um das Museum von „einem Jahrhundertereignis”.

Mit der Umwidmung des früheren Geländes der Technischen Universität hatte Zehetmair den Weg für den Museumsbau erst freigemacht.

Zusammen mit den unmittelbar angrenzenden Sammlungen der Alten und Neuen Pinakothek kann die Kunststadt München nun mit einem einmaligen Museumskomplex mit Kunstwerken vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart glänzen - von Dürers Selbstbildnis bis zu Bruce Naumanns „World Peace”. Abgerundet wird das Kunstareal durch die Glyptothek, die Antikensammlungen und das Lenbachhaus.

Räume gruppieren sich wie Würfel um die Rotunde

Das Besondere an der Pinakothek der Moderne ist die von dem Münchner Stefan Braunfels entworfene Architektur, die das Licht zu einem zusätzlichen und bedeutsamen Kunstfaktor macht. Große Glasflächen lassen die Helligkeit von allen Seiten in die Museumsrotunde fallen, um die sich auf einer Fläche von 13 000 Quadratmetern die Ausstellungsräume wie Würfel gruppieren.

Was darin gezeigt wird, ist Kunst von Weltrang und kann wohl als eine der bedeutendsten Ausstellungen der Moderne bezeichnet werden. Die Namen der Künstler lesen sich wie ein „Who is Who” der Gegenwartskunst: Andy Warhol, Georg Baselitz, Willem de Kooning, Sigmar Polke, Francis Bacon, Joseph Beuys, Antonio Saura, Salvador Dali und natürlich Pablo Picasso.

In der Zusammenschau reihe sich die Pinakothek in die großen Sammlungen der Welt wie das Centre Pompidou in Paris, die Tate Modern in London oder das Museum of Modern Art in New York, sagt Zehetmair.

Die Reise durch das 20. Jahrhundert beginnt mit geretteten Meisterwerken der von den Nationalsozialisten denunzierten „entarteten Kunst” um die Künstlergemeinschaft „Die Brücke” mit Werken von Ernst Ludwig Kirchner und Emil Nolde.

Auf großflächigen weißen Wänden hängen die „Klassiker der Moderne” von Wassily Kandinsky, Max Beckmann, Otto Dix und Picasso. Vom Futurismus zum Surrealismus gelangt man zu Beuys, bevor sich der Museumsraum wieder öffnet.

Das Museum ist so konzipiert, dass tatsächlich ein „dialogisches Be-trachten” der Exponate ermöglicht wird. Der sonst übliche Rundgang in vergleichbaren Häusern ist durch viele Türen und Eingänge aufgebrochen.

Bei Sauras „Kreuzigung” von 1959 angekommen, kann man kurz zurück gehen zu Beckmanns „Versuchung” und stößt dann auf Bacons „Kreuzigung” von 1965 - alle Werke großflächige Triptychons, die durch die korrespondierende Anordnung in Beziehung zueinander treten und dies dem Betrachter ästhetisch vermitteln.

Einzigartig ist im lichtdurchfluteten Untergeschoss die Design-Präsentation.

Weltberühmte Raritäten gibt es zu bestaunen: der erste VW-Nachkriegs-Käfer, ein Holzmodell von Porsche, Sessel, Mixer und ein Stromlinien-Tatra von 1934, ein damals bahnbrechender Automobil-Prototyp.

Bis 22. September freier Eintritt

Das Architekturmuseum im Erdgeschoss zeigt Modelle der international aufregendsten Bauten und Entwürfe von Gebäuden und gleich daneben, in der grafischen Sammlung sind Miniaturen von Franz Marc zu bewundern, die seit Jahrzehnten nicht mehr öffentlich gezeigt wurden.

Der Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, Reinhold Baumstark, nennt den Neubau eine „Kathedrale des Lichts”.

Und in der Tat fällt je nach Tageszeit das Licht unterschiedlich in die Räume und erzeugt zusätzlich eine sich wandelnde Symbiose von Gebäudearchitektur und Kunstgegenständen. „Jede einzelne Sammlung gehört zu den international bedeutendsten in ihrem Bereich”, betont Zehetmair.

Vom 17. September an steht das neue Haus den Besuchern offen - bis einschließlich 22. September kostenfrei von 10 bis 23 Uhr.