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Heimbach: Kapitale Raritäten von großen Meistern

Heimbach : Kapitale Raritäten von großen Meistern

Ein Konzertbesuch bei den Heimbacher „Spannungen” erfordert Zeit, Muße und Geduld. Die Programme sind üppig angelegt und sprengen bisweilen die Drei-Stunden-Marke, selbst wenn drei Werke auf dem Programm stehen. Denn mit Antonin Dvoráks Streichquintett op. 77 und Edward Elgars Klavier-Quintett beherrschten zwei kapitale Raritäten den Abend, die an sich kein Beiwerk brauchten.

Manfred Trojahns zwölfminütiger „Danse” für Klarinette und Klavier sorgte für einen standesgemäßen Einstieg. Der „Composer in Residence” beeindruckte mit einem extrem introvertierten und farbigen Dialog. Sharon Kam an der Klarinette fasziniert mit einer idealen Mischung aus Feingefühl, Intensität und nuancenreicher Tongebung. Und „Spannungen”-Neuling Paul Rivinius am Klavier hat sich erneut als gewichtiger Zugewinn empfohlen.

Dvoráks Streichquintett, entstanden 1875 auf der Suche nach einer eigenen, sich von übermächtigen deutschen Vorbildern lösenden Tonsprache, vereinigt Charme, melodischen Reichtum und musikantische Spielfreude so subtil und ausgewogen, dass es stilistisch interessanter wirkt als seine bekannteren kammermusikalischen Highlights wie das „Dumky-Trio” oder das „Amerikanische Quartett”.

Erklären lässt sich die geringe Beachtung des Meisterwerks allenfalls durch die ungewöhnliche Besetzung mit Kontrabass, was dem Werk einen besonderen Reiz verleiht und dem Violoncello Gelegenheit gibt, sich als Mittelstimme noch wirkungsvoller entfalten zu können. Radoslaw Szulc und Elisabeth Kufferath (Violine), Tatjana Masurenko (Viola), der Cellist Claudio Bohórquez und Kontrabassist Peter Riegelbauer von den Berliner Philharmonikern sorgten für eine Interpretation, die keine Wünsche offen ließ.

Edward Elgars elegisch gestimmtes Klavier-Quintett von 1918 hat in Deutschland einen schweren Stand. Die Brahms-Nähe nimmt bisweilen plagiathafte Züge an, mitunter wirkt es sperrig und massiv. Vorwürfe, die die Heimbacher Crew weitgehend entkräften konnte.

In der frischen, klanglich erstaunlich schlanken Darstellung zeichnete sich eine sehr persönliche Tonsprache ab. Zu verdanken war dies nicht zuletzt Lars Vogt am Klavier und der Geigerin Antje Weithaas. Vor allem Vogt sorgte mit seinem fein dosierten Anschlag für eine ausgewogene Balance.