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Köln: Kanadische Pop-Ikone hautnah vor den Fans

Köln : Kanadische Pop-Ikone hautnah vor den Fans

Man mutmaßte schon, dass sie am liebsten einen Bogen um Deutschland machen würde. Shania Twain, einer der größten Pop-Export-Schlager Kanadas, überließ es lange den hiesigen Radiostationen, sich und ihre Songs in das Gedächtnis der Deutschen zu brennen.

Und das Radio hatte seinen Anteil an diesem Plan seit ihrem Pophit „That dont impress me much” von 1999, alle fünf Minuten mit Twain-Hits aufzuwarten. Nach Verkaufszahlen in zweistelliger Millionenhöhe und einer handvoll weiterer Hits, begab sich das Popwunder nun erstmals nach Deutschland und beendete am Montagabend in der nicht ganz ausverkauften Kölnarena ihre Tour durch die größten Hallen der Republik.

Um der Vorankündigung ge-recht zu werden, dass „jeder Platz ein guter Platz” sei, hatte man der ehemaligen Country-Diva eine ovale Bühne in die Mitte der Arena gebaut, die zum Beginn der Show zunächst von ihrer neunköpfigen Band im Gladiatorenschritt erklommen wurde.

Dass die Heldin des Abends anschließend mitten aus dem Publikum auf die Bühne gerannt kam, um mit „Man! I feel like a woman!” den Konzertabend zu starten, war selbst für erfahrene Konzertgänger überraschend.

Ganz der „Star zum Anfassen”, verzichtete Twain auf weiträumige Absperrungen vor der Bühne und wirkte dadurch vergleichsweise unkompliziert und natürlich, was ihre Kölner Fans gleich zu Beginn der zweistündigen Show mit Begeisterunsgstürmen bedachten.

Charme und Esprit

Zwar skandierten offenbar zahlreich erschienene proletenhafte Männerclubs immer mal wieder ein unverschämtes „Ausziehen, Ausziehen!”, doch gingen diese Rufe im ohrenbetäubenden Applaus unter, mit dem jeder Hit bedacht wurde.

Wie viele die 39-jährige davon in ihrer doch recht kurzen Popkarriere geschrieben hat, wurde im Laufe des 20 Songs umfassenden Konzerts deutlich. So gab es nicht eine Nummer, die man nicht schon mal irgendwo gehört hatte.

Für Shows dieser Größenordnung ungewöhnlich, verzichtete Twain, von Lichtorgien und Konfetti abgesehen, auf den üblichen Firlefanz. Angenehm unprätentiös überließ sie die Bühne ihren neun Musikern, die sich mit Charme und Esprit gegenseitig selbst dem Publikum vorstellten.

Dass sich darunter auch hochkarätige Asse der ehemaligen Band von Joe Jackson befanden, spricht für die musikalische Qualität Shania Twains. Mit „Always and forever” und „Ka-Ching” läutete sie die zweite Runde ihrer Show ein, in der sie routiniert, aber höchst unterhaltsam immer wieder zum Bühnenrand schritt und Autogramme schrieb.

Nach einem großen Finale mit „That dont impress me much”, „Im gonna getcha” und drei Zugaben verließ Twain die Bühne und verabschiedete ihr Publikum, das an diesem Abend nicht bedient wurde, sondern im wahrsten Sinne des Wortes Teil der ganzen Inszenierung war.

Man mag Shania Twain perfekt polierten Hochglanzpop vorwerfen, dass sie ein Händchen für erfrischend ungewöhnlich gestaltete Megashows hat, können seit Montagabend 15.000 Kölner Fans bezeugen.