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Aachen: Kammermusik auf höchstem Niveau

Aachen : Kammermusik auf höchstem Niveau

Kammermusik mit Klavier ist im halligen Krönungssaal des Aachener Rathauses nicht unproblematisch. Aber das vergass man beim „Quintessence”-Konzert mit dem fabelhaften Morgenstern-Trio.

Die jungen Musiker stellten drei Werke des klassisch-romantischen Repertoires vor, und das in einer hinreissend gekonnten und gespannten Weise.

Die Pianistin Catherine Klipfel, die Geigerin Nina Reddig und der Cellist Emanuel Wehse heimsten seit der Ensemble-Gründung 2005 bereits mehrere Preise ein. Die temperamentvolle Geigerin war vor einigen Jahren Konzertmeisterin des Aachener Sinfonieorchesters, entschied sich aber dann für die Kammermusik.

Dass sie führen kann, daran liess bereits die Wiedergabe des Klaviertrios G-Dur von Haydn, des „Zigeunertrios”, keinen Zweifel. Mit Schwung wurden die Ecksätze hingestellt, das „ungarische” Finale an die Grenze des Spielbaren vorangetrieben. Allem Stilpurismus abhold, ließ Nina Reddig das wunderschöne Cantabile des Mittelsatzes ohne Angst vor Vibrato sich aussingen.

Zur Sache ging es erst recht bei Brahms´ frühem, später neugefasstem H-Dur-Trio. Ein Musizieren aus dem Vollen spieltechnischer Meisterschaft und espressiven Engagements, dabei dynamisch differenziert und klanglich genauestens ausbalanciert. Schliesslich Schuberts B-Dur-Trio op. 99. Entsprechend der gegenüber Brahms luzideren Faktur ging man hier musikantisch-lockerer an die Musik heran, die für Schubert so charakteristischen harmonischen Rückungen raffiniert auskostend.

Emanuel Wehse hatte genügend Raum, seine Cello-Kantilene im Andante sich warm entfalten zu lassen. Kammermusikspiel von beglückender Ausdruckshaftigkeit und Differenzierung. Ohne zwei Zugaben entliess das begeisterte Auditorium die Musiker nicht.