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Würselen: Kabarettist Priol teilt kräftig aus

Würselen : Kabarettist Priol teilt kräftig aus

Sein geschliffenes Kabarett-Bajonett hat er immer dabei: Begeistert wurde der zungenflinke Urban Priol im ausverkauften Freilicht-Theater von Burg Wilhelmstein vom vergnügten Publikum begrüßt.

„Überdacht” wie hier sei allerdings „nix mehr im Lande", prustete er, der sich auch an diesem schönen Sommerabend mit alkoholfreiem Weizenbier frisch hielt.

Längst hat sich der urige Aschaffenburger mit seiner pointierten Wortkunst einen Namen gemacht. Spätestens nach dem Dauererfolg der ZDF-Satiresendung „Neues aus der Anstalt” (gemeinsam mit Ex-„Scheibenwischer” Georg Schramm) ist der 47-Jährige, „dialektisch” zwischen Hessisch und Fränkisch pendelnd, kaum noch wegzudenken aus der Kleinkunstszene.

Auch ohne seinen kongenialen Anstaltsmitstreiter teilt Priol nach allen Seiten aus. „Die Wut ist jung” sang einst die unvergessene Kabarettkönigin Lore Lorentz, und genau in dieser Tradition scheint sich auch der agile „Grenzgänger” zu bewegen.

Sein liebstes Hass-Objekt ist zweifellos die Kanzlerin, für ihn die „Mutter aller transatlantischen Unterwerfung” und die „Worthülsenfrucht aus der Uckermark”, die ja so beliebt beim Volke sei. Nur warum, das will ihm partout nicht einleuchten.

Im bunten Hemd und mit wild gesträubtem Haupthaar setzt er böse Akzente, wobei selbst seine Frisur als Zeichen für die „haarsträubenden Zustände in unserer Republik” herhalten muss.

Schnelle Attacken auf Horst Seehofer, unseren „verbrauchten Schutzminister”, oder die Bahn, die „Achse des Bösen”, wechseln sich ab mit ausgefeiltem Spott über die SPD: „Gibt´s die noch? Und wenn ja, wozu?”

Was Priol so besonders macht, ist nicht nur die Tatsache, dass er höchst unterhaltsam Politiker, Medien und Wirtschaftsführer zu verulken weiß. Urkomisch jongliert er mit Themen wie Handy-Werbung oder ins Ausland verkaufte Kredite.

Trotz aller Kalauer zeichnet der Kabarettist aber auch scharf das Bild einer Republik, deren Politiker nicht führen können und deren resignierende Untertanen sich verführen lassen zu unverdienten Lobpreisungen oder zu nutzlosen Klagen.

Nach über dreistündigem Dauerbeschuss zitiert der „Randbayer mit fränkischem Migrationshintergrund” eine Zeile aus einem Udo-Jürgens-Lied: „Wodka gut für Trallala, Liebe gut für Hopsasa”.

Dem sei nicht viel hinzuzufügen, meinte ein schmunzelnder Besucher nach dem frenetischen Schlussapplaus.