Aachen: Junge Kunst zwischen Alltag, Kampf und Inszenierung

Aachen: Junge Kunst zwischen Alltag, Kampf und Inszenierung

Kubische Plastiken und ein erleichterter Konzertflügel, Boxer als Protagonisten einer Videoprojektion, Kunst zwischen Alltag und Artefakt — in drei Aachener Kunsthäusern werden heute neue Ausstellungen eröffnet.

Neuer Aachener Kunstverein:

Pola Sieverding stellt ihre Arbeiten im NAK aus, Benjamin Houlihain im Kunsthaus NRW in Kornelimünster. Foto: Michael Jaspers

Pola Sieverdings Schau „The Epic“ ist die erste institutionelle Schau für die gebürtige Düsseldorferin. Dabei vereint sie Fotografie und Videkunst und hinterfragt gleichzeitig die diffuse Verbindung zwischen Dokumentation und Inszenierung. Sieverding, Jahrgang 1981, hat sich in ihrer Wahlheimat Berlin mit der Kamera dem Phänomen Wrestling genährt.

Die Protagonisten des inszenierten Ringkampfes stellt sie als moderne, groteske Gladiatoren dar, ohne diese bloßzustellen. „Die Bilder zeigen die Lust an der Inszenierung und an körperlicher Auseinandersetzung“, sagt Sieverding. „So entsteht ein seltsamer Kult, bei dem sich sogar klassische Geschlechterbilder auflösen.“

Zwei Boxer, im Duell und im Rampenlicht gefilmt mit einer Highspeed-Kamera: Die ernshafte und ästhetische Seite von Sport und Körperkult beleuchtet Sieverding im abgedunkelten ersten Stock mit einer 24-minütigen filmische Hommage an den Boxsport. Die Ausstellung wird heute um 19 Uhr im NAK, Passstraße 29, eröffnet und ist bis zum 5. Juni zu sehen.

Kunsthaus NRW Kornelimünster:

Mit Werken von Benjamin Houlihain setzt das Kunsthaus in der alten Abtei seine Ausstellungsreihe über junge Künstler aus NRW fort. Ein eigentlich massig-schwerer Konzertflügel wirkt papierhaft, eine Hängeschrank wie gefaltete Pappe — mittels Schleifmaschine nimmt der gebürtige Sauerländer Houlihain Dingen die Schwere, er dünnt sie buchstäblich aus.

Daneben sind Plastiken zu sehen, die durch ihre geheimnisvolle Präsenz im historischen Raum sowie im Garten neben der Abteikirche an das Auftauchen des schwarzen Monoliths im Film „2001 — Odyssee im Weltraum“ erinnern. Gleichzeitig präsentiert das Kunsthaus rund 60 Schätze aus seinem Depot.

„Eine wunderbare Möglichkeit, selten gezeigte Werke, neue Ankäufe und Klassiker der Sammlung zu zeigen“ sagt Leiter Marcel Schumacher. Die Doppelschau „Shift“ und „Offenes Depot“ im Kunsthaus NRW in Kornelimünster, Abteigarten 4, wird heute um 17 Uhr eröffnet und ist bis zum 15. Mai zu sehen. Ab 23. Mai kann die Depot-Ausstellung nach Voranmeldung besichtigt werden.

Ludwig Forum Aachen:

„Plattform Aachen: Perspektive 03“ beleuchtet die junge Kunstszene in der Rhein-Maas-Region. David Bernstein, Jason Hendrik Hansma, Stéphanie Lagarde und Brenda Tempelaar, allesamt Studenten der Jan Van Eyck Akademie in Maastricht, nähern sich in ihren Arbeiten vielfältig dem Phänomen der fließenden Grenzen zwischen Gebrauchsgegenstand und Kunstobjekt. Die Eröffnung ist heute um 18 Uhr im Ludwig Forum Aachen, Jülicher Straße. Die Ausstellung läuft bis zum 26. April.

(alba)
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