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Eupen: Junge Helden treffen auf flotte Ohrwürmer

Eupen : Junge Helden treffen auf flotte Ohrwürmer

„Wir sind gekommen, um die anderen Helden abzumelden.” Wenn Judith Holofernes, Frontfrau der Berliner Pop-Band „Wir sind Helden”, diesen Satz immer wieder in die kühle, sternenklare Eupener Nacht hinaus schreit, entbehrt dies nicht einer gewissen Komik.

Denn lange Zeit hätte niemand auch nur einen Pfifferling auf das schräge Quartett aus der Hauptstadt gesetzt. Ihre erste CD „Die Reklamation” haben die „Helden” deshalb völlig eigenständig produziert. Knapp ein Jahr nach ihrem ersten Überraschungserfolg sind die Newcomer ganz oben und spielen als Headliner auch beim Musik Marathon in Eupen.

Bei ihrem „ersten Konzert im fremdsprachigen Ausland” fand das neue deutsche Pop-Märchen am späten Sonntag Abend nun sein glanzvolles Happyend: Mehr als 10.000 begeisterte Besucher feierten ihre neuen „Helden” bis in die Nachtstunden ausgelassen und fröhlich.

Wohin das Auge an diesem Abend auch fiel: Überall tummelten sich junge Fans in „Wir sind Helden”-Shirts, wurden die bekannten Hits aus vollem Halse mitgesungen.

Keine Frage: Die „Helden” haben mit einer Mischung aus eingängigen Melodien, rotzfrechen Texten und rockigem Gitarren-Stakkato den Nerv der Zeit getroffen. Und als Holofernes schließlich noch den alten New-Model-Army-Hit „51st State of America” anstimmte, hatte sie schließlich auch das ältere Publikum auf ihrer Seite.

Überraschend gut präsentierten sich mit „Fury in the Slaughterhouse” die alten Helden der deutschen Rockszene. Die Band um Sänger Kai Wingenfelder ließ schnell vergessen, dass sie in den letzten Jahren vor allem bei sich selbst abgekupfert hatte - und das mit sehr mäßigem Erfolg.

Live sind „Fury in the Slaughterhouse” tatsächlich eine Klasse für sich. Keine Spur von der gepflegten Langeweile, die noch ihre jüngsten, allesamt ziemlich mittelmäßigen Werke ausgezeichnet hatte. Die „Furys” spielten ihre alten Ohrwürmer „Won´t forget these days” oder „Radio Orchid”, ließen keinen noch so abgegriffenen Rock-Gestus aus und waren dennoch dynamisch wie lange nicht.

Vielleicht ist es ja der einmaligen Eupener Atmosphäre zu verdanken, dass selbst alternde „Rock-Gäule” noch auf Touren kommen. Von Klassik, über Jazz und Weltmusik reichte in diesem Jahr wieder das breite musikalische Spektrum.

Da rockte die flämischen Newcomer-Band „Tripoli” vor großem Publikum im Stadtpark, während zeitgleich Manou Gallo auf dem Werthplatz mit afrikanischen Rhythmen verzauberte. Das ostbelgische Publikum honorierte dies hüben wie drüben mit der ihm eigenen Gelassenheit. In Eupen nimmt man sich Zeit - und das gilt auch für den Musik-Marathon, der das sympathische Städtchen für immerhin fast zwölf Stunden auf den Beinen hielt.