Aachen/Köln: Julien Bam und Shawn Bu: Sind sie die Medienmacher der Zukunft?

Aachen/Köln: Julien Bam und Shawn Bu: Sind sie die Medienmacher der Zukunft?

Sie sind das interessanteste Brüderpaar der Medien-Szene unserer Zeit: Die beiden Aachener Shawn Bu und Julien Bam sorgen regelmäßig für Erschütterungen in der Film- und der YouTube-Szene. Jetzt gründeten sie in Köln die „junge und wilde“ Produktionsfirma Raw Mind Pictures. Die Medien-Macher der Zukunft stehen für eine große Richtungsfrage: Wo läuft demnächst die Unterhaltung — im Kino oder am Rechner?

Unter den Cannes-Gewinnern gibt es die Coen-Brüder aus Texas und auch die Dardennes aus Lüttich, aber so auf der Höhe der Zeit wie Shawn Bu und Julien Bam ist gerade keiner. Shawn Bu erreichte mit seinem Abschlussfilm an der FH Aachen im Fachbereich Gestaltung, dem „Star-Wars“-Fanfilm „Darth Maul: Apprentice“, mittlerweile über 15 Millionen Views auf YouTube. Julien Bam hat dort inzwischen über 4,4 Millionen „Follower“.

Trailer für ein Spiel produziert

Live-Auftritte von Bam sind Riesen-Events mit viel Gekreische und gesperrten Straßen. Man sieht ihn ganz prominent in der neuen Fanta-Werbung „Fanta x you“, hauptsächlich von Aachenern gestaltet und das „erste große Ding“ der neuen Produktionsfirma Raw Mind Pictures. Julien stand vor der Kamera, Shawn führte Regie. Der Clip wurde direkt von Jan Böhmermann für eine seiner Mediensatiren im „Neo Magazin Royale“ parodiert — dann ist man bekannt!

Und gerade erst sorgte das Team mit ihrem Trailer zum Game „Bridge Constructor Portal“ für eine Welle in der Spielebranche. Dass Shawn allerdings auf jeden Fall zum großen Film ins Kino will, während Julien sensationell erfolgreich im YouTube-Format arbeitet, macht die beiden auch zu Symbolen eines Medienwandels. Jetzt gründeten sie zusammen mit einem alten Freund, dem weltweit gereisten Jannik Siebert, ihre eigene Produktionsfirma Raw Mind Pictures.

Schon im Kinderzimmer zeigten sich die unterschiedlichen Interessen, erzählt Shawn: Während Julien oft Animes sah, war der ältere Bruder von „Star Wars“ begeistert, vertiefte sich in die Hintergrund-Informationen und wollte wissen, wie das alles gemacht wurde. Die Eltern waren selber filmbegeistert, genau wie die Familie in Singapur. „Terminator“ durfte er schon mit elf Jahren sehen, „weil das inhaltlich so gut war, und man sieht, dass es nicht echt ist.“ Die Mutter der beiden stammt aus Singapur, fast jedes Jahr ging es dorthin.

Bald fing Shawn an, selber Filmchen zu machen. Dem kam die rasante Entwicklung von digitalen Kameras und Schnittprogrammen entgegen: „Fünf Jahre vorher war das nicht möglich.“ Zudem erhöht das Digitale die Motivation, „weil man es direkt allen zeigen kann“. Trotzdem erkannte Shawn recht schnell: Die wenigsten Leute bleiben beim Filmemachen. „Das ist keine Frage von Zeit haben, sondern Zeit nehmen!“

Mit all seinem handwerklichen Wissen konnte Shawn auch seinem Bruder Julien bei dessen ersten Clips helfen. Mittlerweile ist der mit regelmäßigem Vlog (Video-Blog), samt irrer Tricktechnik, vollem Körpereinsatz und Story um seine öffentliche Identität ein Star.

Ziel ist der große Kinofilm

Regelmäßig klicken Zuschauer seine Beiträge an, dabei spannt er auch schon mal seine Eltern für einen Verwöhn-Tag in Aachen ein. Hier fing er mit dem Team von JuBa-Films an.

Der Dritte im Team, Jannik Siebert, stammt auch aus der Region, aus Geilenkirchen. Er war Produktionsleiter bei „Darth Maul: Apprentice“, arbeitete vorher bei großen Fernsehshows für den die Sender RTL, VOX, Sat1 und WDR, außerdem als Theaterleiter im Cineplex Aachen und dann ganz weit weg auch noch als Entertainment-Administrator auf Kreuzfahrtschiffen. Kurz nach dem Landgang feierte Siebert nun den Stapellauf der Produktionsfirma Raw Mind Pictures.

Nun stellt sich die Frage, was Shawn Budorovits, wie er komplett heißt, in Zukunft haben will: Kino oder Klicks? Die Antwort des zurückhaltenden, aber am Set äußerst selbstsicheren Filmemachers ist eindeutig: „Beides! Mein Ziel ist es, Kinofilme zu drehen. Im besten Fall einen Star-Wars-Kinofilm. Kurzfilme zu drehen, ist der beste Weg zu lernen, Erfahrungen zu sammeln und sein Können zu zeigen. Deswegen ist es toll, die Möglichkeiten von YouTube zu nutzen, um viele Menschen zu erreichen und Aufmerksamkeit zu erzeugen. Und ich bin sehr gespannt, was für Auswirkungen der Star Wars-Film mit sich bringt.“ Denn zwischendurch war Shawn auf der Welle der Sensation „Darth Maul: Apprentice“ auch in Hollywood, hat Leute kennengelernt, kehrte aber zurück, um eigene Stoffe zu entwickeln. Raw Mind Pictures bereitet Serienprojekte vor.

Die Filmkritik zum neuen „Star Wars“ lesen Sie am Donnerstag auf der Kinoseite. Ein Interview mit Hauptdarsteller Mark Hamill lesen Sie außerdem auf der Seite Drei.