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Düsseldorf: Jubel für „Rausch” von Falk Richter in Düsseldorf

Düsseldorf : Jubel für „Rausch” von Falk Richter in Düsseldorf

Nach der erfolgreichen Theaterversion von Michel Houellebecqs Roman „Karte und Gebiet” jetzt das neue Stück „Rausch”: Der neue Hausautor am Düsseldorfer Schauspielhaus, Falk Richter inszenierte das gattungsübergreifende Projekt zusammen mit der niederländischen Choreografin in Anouk van Dijk.

Ein Stück über die Sehnsucht nach einem unentfremdeten Leben. Das Publikum feierte die Uraufführung am Samstag mit begeisterten Beifall und lauten, nicht enden wollenden Jubel, in dem leidenschaftliche Buhs fast völlig untergingen.

Das Schauspiel mit Tanz beginnt mit einem Monolog: Ein junger Dichter will in seinem Privatleben, vor allem in der Liebe frei werden von der Krise, vom drohenden Zusammenbruch des Systems. Die folgenden Szenen erklären, dass das nicht möglich ist: Privates und Gesellschaftliches durchdringen sich wechselseitig unauflöslich. Der Höhepunkt ist erreicht, wenn in einer Walpurgisnachtszene Männer und Frauen Sexualität unter das Primat des Leistungsgedankens stellen - die Lustmaximierung führt zu Gewaltexzessen.

Hier choreografiert Anouk van Dijk mit dem sympathischen, jugendlich wirkenden zwölfköpfigen Ensemble einen Hexensabbat, in dem die Geschlechter ungezügelt aufeinander losgehen, Lichtjahre entfernt von jedem harmonischen Pas de deux.

Auch mit dem Eheberater ist der Weg zu einer erfüllten Beziehung nicht zu finden. Bei Richter erscheint der Vermittler als Mephisto, der die Eheleute aufeinanderhetzt, weil er umso mehr Geld verdient, je länger er beraten kann.

Gegen Ende finden sich Paare in der Occupy-Bewegung, aber Richter zeichnet die kuschelfreudigen Rebellen sarkastisch als Muttersöhnchen. Wirkliche Revolutionäre sind sie kaum, wenn sie auch noch so laut und radikal gegen die CDU und die FDP, den Kapitalismus, die katholische Kirche und die Deutsche Bank wettern.

Das Ensemble besticht durch Professionalität und Humor. „Rausch” endet mit einer von Poesie umnebelten Utopie, in dem die Rebellen über ihre Widersacher siegen, der Leistungsgedanke im privaten, vor allem im erotischen und Liebesbereich ausgetrieben wird.

Katrin Hoffmanns Bühnenbild, das viel Platz für die Tänzer lässt, trägt ebenso zum einheitlichen Gesamteindruck bei wie Daniela Seligs Kostüme, die das Jugendliche betonen. Doch auch die politischen Provokationen fanden ihr Echo - die Buhs waren empört und kamen von Herzen.