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Aachen: Job an der Grenze mit Fingerspitzengefühl

Aachen : Job an der Grenze mit Fingerspitzengefühl

Ernesto hat seinen Ausweis vergessen. Der junge Mexikaner aus Paris will mit seinen französischen Freunden ins WM- Land, Fußball auf den öffentlichen Leinwänden gucken. „Wir wollen eine Rundreise machen: Frankfurt, Stuttgart und Köln. Aber vielleicht muss ich ja schon hier übernachten”, sagt Ernesto freundlich lächelnd mit der mexikanischen Landesfahne um seine Schultern.

Die Bundespolizei hat die fünf WM-Begeisterten auf der A 44 an der deutsch-belgischen Grenze Lichtenbusch bei Aachen herausgewunken, um sie zu kontrollieren. Mit dem Start der Fußball-WM haben am Wochenende auf der 650 Kilometer-Linie zwischen Kleve und der Eifel die Grenzkontrollen begonnen, um gewaltbereite Störer an der Einreise zu hindern. Die Region Aachen ist mit Grenzen zu den Niederlanden und Belgien ein Schwerpunkt.

Tageweise finden die Kontrollen statt und je nach Spielpaarungen. Fährt einer in die Kontrolle, der als Randalierer bei Fußballspielen bekannt ist, wird ihm die Einreise verweigert. „Für mich sind das keine Fans, sondern Gewalttäter, die das Umfeld Fußball für sich nutzen”, sagt Pressesprecher der Bundespolizei, Joachim Bebensee. Vier von dieser unerwünschten Spezies sind an diesem Morgen an der niederländischen Grenze, wenige Kilometer entfernt, erwischt worden. Wenn sie trotzdem anderswo über die „grüne Grenze” fahren, laufen sie früher oder später in andere Kontrollen, meint Bebensee. „Wenn die dann im Inland aufgegriffen werden, gibt es richtig Ärger”, sagt er.

Ein Kleinbus wird herausgewunken - Nationalkennzeichen: Frankreich. Darin sitzen neun Männer, deren Herz für die Elfenbeinküste schlägt. Sie tragen Einheitslook: T-Shirts und Pullis mit den Nationalfarben Orange, Weiß, Grün. Karten haben sie in der Tasche für das Spiel in Hamburg. „Wir gewinnen, 100 Prozent”, sagt der Fahrer, Baby Pascal, breit grinsend. Direkt nach dem Spiel werden sie sich wieder ins Auto setzen und nach Paris fahren. „Zu den nächsten Spielen kommen wir wieder - ohne Karten. Wir gehen dann auf Plätzen in Frankfurt und Stuttgart gucken”, sagt er.

Die Beamten der Bundespolizei, die in den nächsten Wochen im Westen Deutschlands Dienst tun und pro Tag mehrere tausend Reisende überprüfen, haben viel Erfahrung. Sie kommen aus Sachsen und sind fast jedes Wochenende bei Fußballspielen im Einsatz. Sie prüfen die Papiere, reden mit den Reisenden, verschaffen sich einen Eindruck. Es liegt in ihrem Ermessen, ob sie dann einen Schritt weitergehen und die Personendaten mit Hilfe von Datenbanken überprüfen.

Damit hat Jose nichts am Hut. Er will mit einem befreundeten Paar nur nach Köln. Jose ist in Südafrika geboren und lebt in London. Sein Herz schlägt für das Land seiner Eltern: Portugal. „Ich freue mich auf gute Stimmung, auf gutes Essen und gutes Bier”, sagt er, während die Beamten seine Papiere überprüfen. Unerschütterlich ist sein Glaube an die portugiesische Nationalmannschaft: „Natürlich werden wir Weltmeister - sorry für Deutschland”, fügt er nicht wirklich leidensvoll hinzu.

Der Mexikaner Ernesto versucht noch immer, das Problem mit seinem Ausweis zu klären. Seine Freunde warten geduldig. Der Mexikaner telefoniert mit einer Freundin in Belgien. Beim Besuch hat er dort wahrscheinlich das Papier, das er an der Grenze so dringend braucht, liegen gelassen. „Notfalls muss er zurückfahren und den Ausweis dort holen. Eine Stunde ist ja zumutbar”, meint Polizist.