Aachen: Jetzt auch in der Box: Marcus Bosch und das Aachener Orchester

Aachen: Jetzt auch in der Box: Marcus Bosch und das Aachener Orchester

Nach zehn Jahren hat Marcus Bosch Aachen Richtung Nürnberg verlassen. Vieles aus der Ära des Generalmusikdirektors bleibt in guter, vieles in allerbester Erinnerung. Zu dem, was ganz greifbar die Zeiten überdauern wird, zählen die CDs, die Bosch mit „seinem” Sinfonieorchester Aachen aufgenommen hat, ganz vorne an der hochgelobte Bruckner-Zyklus.

Nun ist auch die letzte Scheibe dieses Zyklus erschienen, die im Mai in der Aachener Kirche St. Michael entstandenen Aufnahmen der „Nullten” und der „Studiensinfonie”. Die CD gibt es aber nicht einzeln, sondern als Nummer zehn in einer schönen Box mit sämtlichen Aufnahmen der Reihe zu kaufen. Erschienen wie üblich bei Coviello Classics. Zustande gekommen sind die einzelnen Aufnahmen mit Unterstützung des Zeitungsverlags Aachen.

Bosch macht - wie erwartet - auch bei der Erarbeitung der beiden Randwerke in Anton Bruckners sinfonischem Schaffen keine Kompromisse. Die „Studiensinfonie”, die ja noch gar kein richtiger Bruckner ist, eher die Abschlussarbeit des Kompositionsstudenten, federt unter Boschs Stabführung ganz ernst und sensibel durch die vier Sätze, die formal noch nicht das typische Bruckner-Gepräge angenommen haben.

Gleichwohl lassen die Musiker ahnen, dass diese Musik von einem stammt, der nicht nur das Handwerk versteht, sondern auch etwas zu sagen hat. Weit mehr noch gilt das für die Interpretation der „Nullten”, die bekanntlich eine verworfene „Zweite” ist. Sie hat wie selbstverständlich die typischen Blech-Choräle, diese zu großen Crescendi verdichtbaren Streicherfiguren, das Statuarische, religiös Ernste. Bosch und das Sinfonieorchester Aachen erweisen sich wieder als profunde Sachwalter in Sachen Bruckner. Und das ist sehr gut so.

„Ich glaube, ich bin mit jeder Aufnahme näher an der Partitur geblieben, habe immer weniger aus einer interpretatorischen Tradition als vielmehr rein vom Notentext her gedacht”, sagt Bosch im Booklet. Wirklich ist Boschs radikale Hinwendung zu den Brucknerschen Ur-Partituren, dem von Selbstzweifeln und besserwisserischer Kritik unverbogenen Werk, das herausragende Merkmal dieser sinfonischen Bruckner-Gesamtaufnahme. Bonbons sind da eher der ergänzte vierte Satz der „Neunten” und eben jene beiden nicht kanonisierten Sinfonien zum Abschluss.