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Maastricht: „Jedes Urteil birgt ein Rest an Unsicherheit”

Maastricht : „Jedes Urteil birgt ein Rest an Unsicherheit”

Ein für die Niederlande neues Projekt unter dem Namen „Gerede Twijfel” (Berechtigter Zweifel) ist an der Universität Maastricht angelaufen: Jurastudenten untersuchen Gerichtsurteile auf mögliche Justizirrtümer.

In Amerika haben ähnliche Arbeitsgruppen juristischer Fakultäten schon spektakuläre Erfolge erzielt, wie Professor Peter Johann van Koppen, einer der Leiter des Maastrichter Projekts, erläutert: „Es sind sogar mehrere unschuldig Verurteilte frei gelassen worden, die in der Todeszelle auf ihre Hinrichtung warteten.”

Die Grundidee erläutert van Koppen so: „Jedes Rechtssystem kennt Justizirrtümer, weil jeder Beweis, auch eine DNA, einen Rest an Unsicherheit hat. Der Richter muss beim Urteil zwar von der Richtigkeit überzeugt sein, ganz sicher kann er aber nie sein.”

Verschiedene Kriterien

Damit sich „Gerede Twijfel” eines Falles annimmt, müssen verschiedene Kriterien erfüllt sein: So muss die Gefängnisstrafe mindestens vier Jahre betragen oder mit einer Einweisung in die Psychiatrie verbunden sein. Der Verurteilte muss versichern, dass er nichts mit der Tat zu tun hat und die kompletten Unterlagen müssen zur Verfügung gestellt werden.

Seit Mitte Dezember haben sich etwa 30 Bürger mit ihrem Fall gemeldet. Welchem zuerst nachgegangen wird, entscheidet van Koppen mit Dr. Han Isra’ls, dem zweiten Leiter der gemeinsamen Arbeitsgruppe von Rechtspsychologie und juristischer Fakultät.

Nur die Besten

Um eine hohe Qualität des Projekts zu gewährleisten, dürfen nur die besten Studenten der Uni mitarbeiten, die dann noch von Fachleuten intensiv begleitet werden. Darüber angesiedelt ist ein Aufsichtsrat mit prominenten Juristen. Das alles, damit die komplizierten Fälle richtig beurteilt werden.