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Hamburg: Je oller, je doller: Doppelplatin für „Panik”-Rocker Udo Lindenberg

Hamburg : Je oller, je doller: Doppelplatin für „Panik”-Rocker Udo Lindenberg

Als Musiker hatten ihn viele längst abgeschrieben, jetzt steht Udo Lindenberg vor einem seiner größten Triumphe. Für sein Album „Stark wie Zwei” erhält der Deutschrocker in wenigen Tagen Doppelplatin. 400.000 verkaufte Exemplare, erstmals in seiner bald 40-jährigen Karriere an der Spitze der Album-Charts, Auftritte in großen TV-Shows, Interviewanfragen reißen nicht ab.

„Sind wir nicht alle ein bisschen Udo?”, heißt es in den Medien, Fans mit Hut und Sonnenbrille doublen ihn im Internet (dubistudo.de). Der „Panik”- Rocker ist angesagt wie in seinen Anfangsjahren, als er mit deutschen Texten die Rockmusik revolutionierte. Der Erfolg hat ihn überrascht: „Ich bin überwältigt! An so etwas habe ich nicht mehr geglaubt.”

Es ist noch nicht einmal drei Monate her, dass der in Hamburg lebende Sänger sein Comeback gestartet hat. Seit acht Jahren war es das erste Album mit durchweg neuen Songs des Altmeisters und sein 41. insgesamt. „Manchmal ist es nicht leicht, mit der Zukunft gegen eine solche Vergangenheit anzukommen. Aber das Tal des Zweifels liegt hinter mir. Jetzt will ich - neben dem "Atlantic"-Hotel - mein Zuhause wieder in den Charts haben”, hatte er damals gesagt. Die Erwartungshaltung der Fans und Kritiker war groß, doch schon kurz nach der Veröffentlichung jubelte er als „Sänger aus Phönixien”: Der legendäre Musiker eroberte sofort die Spitze der Albumcharts - „gegen die Eintagsfliegen und "DSDS"-Nasen”.

Rund 700 Texte hat der Dauerbewohner des Hotels „Atlantic” geschrieben, sich vor dem Comeback jahrelang auf seine „panische Malerei” konzentriert. Er zeichnete „Udogramme”, malte Likörelle und trat gelegentlich mit seiner Auswandererrevue „Atlantic Affairs” auf. Aus den Charts war er längst verschwunden. „In Sachen Musik war ich wohl der Mann von gestern”, meint er rückblickend. Jetzt seien seine Fans jünger als „Tokyoten” (Tokio-Hotel-Fans) und älter als die „Heesteroiden” (Johannes-Heesters-Fans). Als „Paten des Rock” sieht ihn Rapper Jan Delay, der mit Lindenberg auf der aktuellen Single „Ganz anders” zu hören ist. „Er hat nicht nur die Tür für uns alle aufgemacht in den 70ern...Er hat das ganze Haus gebaut, die Tür eingesetzt und sie dann aufgemacht für uns alle.”

Kollege Herbert Grönemeyer nennt ihn einen „wunderbaren Musiker” und Peter Maffay meint „eine gewisse Schadenfreude” zu erkennen: „Diese ganzen Vorurteile, diese Verfallsdatumserklärungen - da hat er die Leute, die so dachten, wunderbar an der Nase herumgeführt.” Selbst einen Plattenvertrag hatte Lindenberg, der Hits wie „Andrea Doria”, „Hinterm Horizont” oder „Sonderzug nach Pankow” schrieb und mehr als 20 Millionen Platten verkauft hat, eine Zeit lang nicht. Doch als die erste Rohfassung des neuen Albums fertig war, überboten sich die Labels gegenseitig. „Für manchen ganz jungen Fan scheine ich ein komplett neuer Sänger zu sein, gerade neu entdeckt”, erzählt er.

Inzwischen bereitet der Musiker seine große Tour für den Herbst vor. Die Resonanz auf sein Album erklärt sich der 62-Jährige damit, dass er sich immer treu und bei allen Höhen und Tiefen doch immer „der Udo von der Dinkel, der auszog, um Popstar zu werden” geblieben ist. „Die Nation fasst sich ans Herz - da singt einer ihre Geschichte, mit aller Angst und allen Träumen, singt von Größenwahn und Verlust, Niederlagen und höchstem Gewinn”, meint Lindenberg. „Ein schockierend schonungsloses Ding über ein Leben, das unserem zwar ähnlich ist, aber von Udo im Exzess geführt und gelebt wird”, sagt er. Der Erfolg nach all den Krisen und Selbstzweifeln geht ihm sehr nah: „Ein berührender Soundtrack für einen Sänger.”