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Düsseldorf: Jammern und Wehklagen: Abschied von Karneval und Fastnacht

Düsseldorf : Jammern und Wehklagen: Abschied von Karneval und Fastnacht

Mit großem Jammern und Wehklagen haben die Narren am Aschermittwoch im Rheinland und in Baden-Württemberg Abschied von der „Fünften Jahreszeit” genommen.

In Düsseldorf trugen rund 250 Karnevalisten den Erzschelm Hoppeditz zu Grabe. In den Hochburgen der schwäbisch-alemannischen Fasnet wurde die „Fasnet” in Gestalt einer Stroh-Hexe verbrannt, ersäuft oder vergraben.

In vielen Orten im Schwarzwald, an Oberrhein und Bodensee gaben die Narren auch die Rathausschlüssel zurück, zum Zeichen, dass ihre Herrschaft vorerst wieder beendet ist. Großkampftag war der Aschermittwoch wieder für viele Stadtreinigungsbetriebe. Allein in Stuttgart summierte sich der Abfall der Tollen Tage auf 3,6 Tonnen Müll.

Der Hoppeditz wird traditionell im Rosengarten am Düsseldorfer Stadtmuseum eingeäschert, bevor die „Trauergäste” sich zum Leichenschmaus begeben, einem großen Fischessen. Die Baden- Württemberger begannen die Fastenzeit mit Herings-, Stockfisch- oder Schneckenessen. In Wolfach und Freiburg kamen die Narren zur Geldbeutelwäsche zusammen. Die Beutel, die zur Narrenzeit vollständig leer geworden waren, wurden in Wolfach im Stadtbrunnen gesäubert und anschließend an einer Wäscheleine zum Trocknen aufgehängt. Das Ritual, das seit 1924 inszeniert wird, gilt als die größte Geldbeutelwäsche in Baden-Württemberg.

In einigen Gegenden hatte der Abschied von den närrischen Tagen bereits am Dienstagabend begonnen. So war in Köln der Nubbel verbrannt worden, eine Stroh- und Stoffpuppen, die damit stellvertretend für die während der tollen Tage begangenen Sünden büßt. „Fasnetsverbrennen” gab es auch im Schwarzwald in Triberg und Waldkirch. In Offenburg verbrannte die Hexenzunft eine große Strohhexe.

Unterdessen enttarnte die Universität Düsseldorf eine Anlaufstelle für Karnevalsflüchtlinge. Seit drei Jahren ist dort die Uni- Bibliothek auch am Rosenmontag geöffnet. Mehr als 5000 Leser hätten sich in diesem Jahr in die Bücherwelten geflüchtet - ein Rekord. „Mit so einem Ansturm hatten wir nicht gerechnet”, sagte Bibliotheksdirektorin Irmgard Siebert.