1. Kultur

Jülich: Inge macht Diät: Ludger Stratmann im Brückenkopfpark

Jülich : Inge macht Diät: Ludger Stratmann im Brückenkopfpark

„Wir sind zu Hause nich pingelig...” - kleine Pause, Ludger Stratmann blickt in die Runde. „Nicht verstanden?” Lacher.

Er versucht es wieder, ein bißchen verlegen mit einem listigen Blinzeln - und schon kommt wieder eine Geschichte von ihm und der dicken Inge, die den lebenslangen Kampf mit ihren Fettzellen noch nicht aufgegeben hat.

Volksnaher Witz und auch heikle Themen

Der Kabarettist mit dem volksnahmen, deftigen Witz, kommt an. Über 600 Gäste unter dem ausverkauften Zeltdach der Jülicher Brückenkopf-Bühne reagieren prompt auf Anspielungen, auf einen Blick eine Geste des Mannes, der im Essener Europahaus ein eigenes Theater füllt.

Stratmann, im realen Leben nicht nur Kabarettist, sondern zugleich Facharzt für Allgemeinmedizin, weiß genau, wovon er spricht, wenn er den Ärztestand auf den Arm nimmt („Haben Sie Mitleid mit Ihrem Doktor, gönnen Sie ihm die Fachausdrücke...”).

Altershilfsmittel, Schönheitsoperationen und natürlich jegliche Art von Diät verwandelt er ohne Scheu in skurrile Nummern. Er kann das auf so entwaffnende Art, dass man ihm selbst bei heiklen oder unappetitlichen Themen noch amüsiert zuhört.

Und hier hat Stratmann geschickt eine weitere Bühnenfigur eingesetzt, die einen sanften Kontrast bewirkt: Hagen Rethel, der gutaussehende Pianist mit dem eleganten und schönen Anschlag, spielt ab und zu ein paar Passagen, hat aber in Stratmanns Show eine weit wichtigere Aufgabe: zuhören.

Wo Stratmann an die Grenzen stößt, „leidet ” der Seriöse und ringt die schmalen Hände...

Stratmann spielt mit seinem Publikum, geht spontan auf Reaktionen ein, spricht den einen oder anderen derb-lustig an. Das wirkt. Seine pseudowissenschaftlichen Vorträge erlangen atemberaubendes Tempo.

Stratmann hat einen Typ und eine Sprache geschaffen, die aus dem Volke kommt und zugleich menschliche Macken und Vorurteile aufspießt. Kräftiger Applaus, Zugabe, Autogramme.