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Venedig: „Indiana Jones” graut es vor dem Kalten Krieg

Venedig : „Indiana Jones” graut es vor dem Kalten Krieg

Harrison Ford (60) erschien in Venedig mit Ohrring und seiner neuen Begleiterin Calista Flockhart (27). „Aber über private Dinge rede ich nicht gerne”, beschied er den Journalisten beim Filmfestival am Lido.

Lieber spricht er über ernste Dinge, die politische Lage und den drohenden Waffengang gegen Irak. „Wie viele Amerikaner bin ich sehr besorgt über einen möglichen Krieg, aber ich kann nicht viel tun.”

Über den Krieg, und zwar den Kalten, handelt auch sein neuer Film „K 19 - Showdown in der Tiefe”, ein heroisches U-Boot-Drama, das in Deutschland am Donnerstag anläuft.

Harrison Ford („Indiana Jones”) spielt darin einen knallharten sowjetischen U-Boot-Kapitän, der seine Männer opfert, um nach einem Unfall an Bord des Nuklearbootes einen atomaren Super-Gau zu verhindern. Regisseurin Kathryn Bigelow („Strange Days”) setzt das cool und gekonnt in Szene - aber das Unglück der russischen Kursk taucht den Film irgendwie in fahles Licht.

Harrison Ford gehört neben Tom Hanks („Road to Perdition”) und den schönen, wenn auch nicht mehr ganz jungen Damen Catherine Deneuve (58) und Sophia Loren (67) zu den großen Stars, die dem Festival diesmal Glamour geben sollen.

Stattdessen lässt sich der angegraute Harrison Ford vor Journalisten über den Kalten Krieg aus: „Am meisten haben mich diese Übungen in der Schule geschockt, als wir lernen sollten, uns bei einem Atomangriff unter der Bank zu verkriechen.” Jetzt wolle er mit seinem Film dazu beitragen, dass „die Amerikaner die Russen mit anderen Augen sehen”. So recht verstehen das die Wenigsten.

Starkult in Venedig: Gleich nach Harrison Ford musste sich Winfried Bonengel den Journalisten stellen.

Kaum Interesse für Bonengels „Führer Ex”

Der Saal am Lido, beim Hollywood-Star übervoll, leert sich beängstigend. Lediglich Experten, Getreue und einige Dutzend Deutsche wollen über seinen Streifen „Führer Ex” Genaueres wissen.

„Zeigen, wie jemand zum Neonazi wird”, erklärt Bonegel seinen ersten Spielfilm, der den Weg zweier DDR-Jugendlicher in den Knast und in die Fänge der Rechtsradikalen zeigt.

Die Kritiken am Tag danach sind allerdings nicht gerade berauschend. Zwar widmen sich italienische Zeitungen am Montag dem Thema Neonazis in Deutschland, doch weniger dem Film.

„Dunkel und quälend”, meint die linke „La Repubblica” aus Rom, eher ein Doku-Drama denn ein Spielfilm. Andere erwähnen den Film nur im Vorbeigehen. Eher umbarmherzig sind die ersten deutschen Stimmen. „Arg deutsch”, schreibt die „Frankfurter Allgemeine”. „Das heißt aber leider: Provinziell, didaktisch und gewollt.”

Bleibt die Hoffnung auf den zweiten deutschen Wettbewerbsfilm. Zwar macht Doris Dörrie (47) sich keine großen Illusionen, dass ihr Beziehungsdrama „Nackt” einen Goldenen Löwen kriegen könnte.

„Das ist auch nicht wichtig”, sagt sie in einem dpa-Gespräch. „Wichtig ist, dabei zu sein. Im Wettbewerb zu laufen ist klasse.” Immerhin: In Venedig läuft selbst Harrison Ford außer Konkurrenz.